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New York City Players Eine klassische Dreiecksgeschichte

In Richard Maxwells „Isolde“ bleibt jeder eine Insel. Auch jetzt im Frankfurter Mousonturm beim Gastspiel der New York City Players. Richard Maywell inszeniert Bilder von grotesker Normalität, eine psychologische Einfühlung lehnt er strikt ab.

09.05.2015 22:45
Stefan Michalzik
"Isolde" von Richard Maxwell, zu Gast im Mousonturm Frankfurt. Foto: New York City Players

Auf den ersten Blick scheint es zuzugehen wie in einem Laienspiel: Menschen stehen auf der Bühne herum und sagen ihren Text auf. Tatsächlich aber handelt es sich um eine Art höheres Theater. Dem Theater die Maske abziehen – das hat Richard Maxwell einst als Maxime seiner Arbeit ausgerufen. Das ist anderthalb Jahrzehnte her, der amerikanische Autorenregisseur war mit den Off-Broadway-Stücken seiner New York City Players gerade zum Liebling der internationalen Festivals aufgeschossen.

Dieser Theaterabend im Frankfurter Mousonturm markiert eine starke Setzung – nach wie vor. ,,Isolde“, der Titel des englischsprachigen Stücks mit Übertiteln, das 2013 am Theater Basel entstanden ist, verweist selbstverständlich auf Wagner. Am Ende steht eine Parodie auf einen altbackenen Inszenierungsstil anhand einer Szene aus ,,Tristan und Isolde“.

Maxwells Isolde – Tory Vazquez – stirbt aber nicht. Alles ist in einer kunstvollen Selbstverständlichkeit miteinander verschränkt. Isolde ist Schauspielerin, sie kann ihren Text nicht mehr behalten. Ihr Mann Patrick – Jim Flechter – ist Bauunternehmer. Eine lebensnüchterne Natur ohne weitere Ambition; er will ihr fürsorglich behutsam beistehen. Sie betreibt das Fluchtprojekt eines Traumhauses am See und engagiert dafür einen Luftikus von Architekten, gespielt von Christopher Sullivan: Eine klassische Dreiecksgeschichte.

Ohne Aussicht auf Erfüllung

Jeder bleibt eine Insel, Gefühle ein Verlangen ohne Aussicht auf Erfüllung. Es sind Bilder von grotesker Normalität, die Maxwell inszeniert. Alles ist reduktionistisch angelegt. Die Bühne besteht aus wenig mehr als einigen Stellwänden und ein paar simplen Plastikschalenstühlen. Die Dialoge gehen im harschen Abtausch hin und her. Maxwell spielt mit der amerikanischen Tradition des Broadwaytheaters. Eine psychologische Einfühlung lehnt er strikt ab.

Ähnlich wie bei Brecht liegt der Akt des Theaterspielens immer offen zutage. Man weiß allweil genau, wie die Figur positioniert ist. Charakteristisch ist der Auftritt von Brian Mendes als gegen das hochfliegende Gewäsch des Architekten in Stellung gebrachter Uncle Jerry. Eine Kopfdrehung, ein abfälliger Blick dieser infam stämmig-wuchtigen Physis – damit ist alles gesagt. Man wundert sich nicht darüber, dass die launige Gebärde einer Bekundung von erdverbundener Überlegenheit später in eine körperliche Bedrängung des ,,Weichlings“ von Intellektuellen übergeht.

Der Ansatz ist immer noch der gleiche, abgenutzt hat er sich nicht. Text, Inszenierung – alles auf einer lichten Höhe.

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