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Nederlands Dans Theater Ein Torero im Feinripp

Die NDT-Juniorcompany bezirzt in Wiesbaden mit Können und vier feinen Choreografien.

NDT2 in „mutual comfort“
Jung und gut: Das NDT2 in „mutual comfort“ von Edward Clug. Foto: Joris-Jan Bos

Es könnte ein Traum sein“: Am Ende sinken Zettelchen mit dieser Botschaft wie Schneeflocken aus der Kuppel des Theatersaals im Wiesbadener Staatstheater. Dann wäre dieser Abend der Juniorcompagnie des Nederlands Dans Theater (NDT2) ein höchst erfreulicher Traum gewesen: mit Werken, die eine hübsche Leichtigkeit, auch manche Ironie haben, ohne leichtgewichtig zu sein; mit blutjungen Tänzerinnen und Tänzern, die aufs Beste ausgebildet sind und auf ihr Können eine gehörige Portion Charme drauflegen.

Gastspiele gehören zum Konzept des von den Staatstheatern Darmstadt und Wiesbaden ins Leben gerufenen Hessischen Staatsballetts, so ist jetzt wenigstens ab und zu eine feine große und internationale Tanzcompany wie das NDT im Rhein-Main-Gebiet zu sehen, auch wenn es dafür in Frankfurt keinen Ausrichter mehr gibt.

Zu Songs von Van Morrison hat der Schwede Johan Inger das scheinbar völlig entspannte, aber hintersinnige Konstellationen schaffende „I New Then“ choreografiert. Paare, Passanten, Zusammenballungen. Alles in einer intrikaten, verspielt-eckigen Bewegungssprache, mit hübschen Verschraubungen, kleinen Neckereien. Schlendern und Auftrumpfen im Wechsel. Sehr gut passt das Stück zu den jungen Leuten, die es tanzen.

Das gilt auch für das freche, augenzwinkernde „Sh-Boom!“, ein sexy Klassiker des Choreografenduos Sol León und Paul Lightfoot zu einem Musikmix alter und mittelalter Songs („S’posin’“ von 1929, „Sh-Boom“ von 1954). Die Frauen tragen zarte schwarze Kleider, die Männer – Feinripp-Unterwäsche. Dazu auch mal eine Torerokappe. Die Kerle produzieren sich mit Verve, nicht allzu derb macht sich die Choreografie über sie lustig. Der gelegentliche Griff in den Schritt wird sekundenschnell abgelöst von raffinierten, originellen Bewegungsdetails. Das Posen mündet gleich wieder in schwungvollen Tanzwirbel.

In keinem der Stücke aber muss so lidschlagschnell getanzt werden wie bei dem Duo „Midnight Raga“ von Marco Goecke, dem Meister der Hochgeschwindigkeitszappelei und -nervosität. Die Zehn-Minuten-Choreografie zu Musik von Ravi Shankar und Etta James ist muskulöser als die meisten Goeckes, sie flimmert und vibriert, zeigt Körper, aus denen die Energie herausbricht wie eine Naturgewalt. Das Licht modelliert jeden Muskelstrang. Bejubelt werden am Ende die Tänzer Guido Dutilh und Miguel Duarte.

Davor gab es noch „mutual comfort“ von Edward Clug, ein elegant gefügtes, knapp viertelstündiges Stückchen, dessen Musik von Milko Lazar für zwei Pianos und zwei Celli den Abend zeitweise ein wenig herunterkühlt. Auch hier gibt es die reine, einfallsreich verkastelte Bewegung, einen Tanzfluss, der aber keineswegs im zu Schönen versinkt. Ein Abend, der durchweg bezirzt.

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