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Mousonturm Im Museum des Bürgerkriegs

Das kolumbianische Mapa Teatro mit „La Despedida“ im Mousonturm.

Historische Gestalten im Tarnlook. Foto: Rolf Abderhalden

Eine kolumbianische Theatergruppe schreibt ans Verteidigungsministerium des Landes. Sie möchte in einem ehemaligen Farc-Lager filmen, in dem heute das einstige Guerilla-Lagerleben vom Gegner, von Armeeangehörigen nachgespielt wird. Dieses „lebendige Museum“ klingt so aberwitzig, wie es ist. Im wackeligen Video sieht man nachher Männer herumstolzieren, die den Rebellenführer geben, oder die gespielte Exekution eines Jungen, der fliehen wollte.

Das Mapa Teatro aus Bogotá, ein Kollektiv um die Geschwister Heidi, Elizabeth und Rolf Abderhalden, beendet mit „La Despedida (Der Abschied)“ eine Trilogie über die Gewalt in Kolumbien, ein „Theater der Erinnerung“ über den etwa fünfzigjährigen Guerilla-Kampf. Das vom Frankfurter Mousonturm koproduzierte Stück ist dabei erstaunlich ausgelassen und kurz: Es gibt fetzige Akkordeonmusik, die Schauspielerin Agnes Brekke singt im glitzernden Abendkleid hingebungsvoll unter anderem ein Rebellenlied, Lenin, Marx, Fidel Castro, Che Guevara treten als graue Pappmaché-Köpfe und im Tarnlook auf, eine Palmblätter-umhüllte Gestalt schleicht herum.

Das Mapa Teatro schlendert lässig durch die gewaltgetränkte kolumbianische Geschichte. Es startet mit einer französischen Fernsehdoku von 1964, in der es bereits heißt: „Bürgerkrieg hat hier Tradition“. Es erzählt davon, wie 1974 ein Guerillakommando das Schwert Simón Bolivars aus einem Museum stiehlt. Es erwähnt aber auch Ingrid Betancourt, sechs Jahre im Urwald als Geisel festgehalten. Farc-Kommandant Víctor Julio Suárez Rojas aka Mono Jojoy spielt eine Rolle, im doppelten Sinn, da er auch von einem Soldaten im kuriosen Freilichtmuseum der Armee dargestellt wird. Und die bittere Enttäuschung der Miss Kolumbien beim Miss-Universe-Wettbewerb 2016 wird gezeigt, als sie irrtümlich zur Siegerin ausgerufen wurde; Minuten später verliert sie die Krone wieder.

Es geht um Revolution und Revolutionstheorie, aber das Theaterkollektiv wirft nur Schlaglichter aufs Thema. Wenn am Ende Marx im Urwald nach einem „Abschiedsfest“ und den feiernden Leuten sucht und auf einen Schamanen trifft, antwortet dieser ihm: „Sie tanzen auf den Ruinen“. Das macht auch das Mapa Teatro.

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