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Mousonturm "Freischwimmer" Bis der kleine gelbe Wohnwagen wackelt

Im Frankfurter Mousonturm starten die „Freischwimmer“ nicht durchweg erfolgreich, aber mit einer munteren Juke-, äh, Dancebox

Suchen Sie sich einen Tanz aus: die Dance Box, zur Zeit auf dem Frankfurter Merianplatz. Foto: Gerhard F. Ludwig_www.fotofisch-

Ein Anziehungspunkt ist auf dem Frankfurter Merianplatz derzeit ein kleiner zartgelber Wohnwagen mit der Leuchtschrift „Dance Box“. Nach dem Prinzip einer Jukebox kann man sich dort einen Tanz aussuchen, etwa „Sterbender Schwan“, „Pulp Fiction“, „Weiße Nächte“. Man kreuzt an, wirft den Zettel und ein Zwei-Euro-Stück durch Schlitze in der Tür, alsbald tut sich diese auf und das Bestellte wird in einer persönlichen, einer 1-zu-1-Aufführung getanzt von Tümay Kilinçel oder Jungyun Bae. Die Kritikerin entschied sich, angedenk des Films mit Mikhail Baryshnikov und Gregory Hines, für „Weiße Nächte“, bekam aber unter hohem Körper- und vor allem Knieeinsatz Tümay Kilinçels keinen Stepp-, sondern einen energiereichen Discotanz. So dass der kleine gelbe Wohnwagen wackelte.

„Intim“ ist das Motto eines vom Mousonturm mitproduzierten Festivals, das zudem das Etikett „Freischwimmer“ trägt, will sagen: Theater-, Performance-, Tanznachwuchs darf sich (noch bis zum 17. Januar) ausprobieren. Eines der Start-Stücke musste wegen Krankheit entfallen, das andere war im Theatersaal des Mousonturms die Live-Radioshow „b open“ von Caroline Creutzburg, die in Gießen Angewandte Theaterwissenschaft studierte.

Mit Kopfhörer im Theater

Sechs Leute immerhin sind auf der Bühne; aber als Zuschauer soll man vor allem Zuhörer sein und erhält darum Kopfhörer und Miniradio. Themen der tatsächlich auch über Radio X übertragenen Sendung sind Tunguska (vermutlich ein Asteroiden-Einschlag in die Steppe Sibiriens am 30. Juni 1908), Minusgrade, eine kurze Werbung für die Dance Box, aufgezeichnete Atmo-Einspieler von draußen, ein Sturm-Jux vor Windmaschine, ein Explosions-Jux mit blauem Gelatinewürfel, der dann doch nur in kleinere Würfel geschnitten wird.

Es wird viel ge-äht, ge-ähmt und reichlich Banales gesagt, ein bisschen Musik gemacht zwischendurch. Solches kann man jederzeit aus dem Radio haben, ohne sich dafür in den Mousonturm begeben zu müssen. Und über Tunguska liest man besser Pynchon, „Gegen den Tag“. Denn die „Radioshow“ schleppt sich dahin, ist ein ermüdender Auftakt für ein Festival, das sich hoffentlich in den folgenden Tagen noch freischwimmt.

Mousonturm, Frankfurt: bis 17. Januar. www.mousonturm.de

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