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Mousonturm Das Geheimnis der Geräusche

Caroline Creutzburgs kurzes Klangspektakel „What on Earth“ im Frankfurt LAB erzeugt eine Sogwirkung.

Am Ende zieht es das Publikum auf Erkundungstour in den Bühnenraum. Alleine oder in Grüppchen befühlen sie eine grünliche Masse, die in einem Flatsch am Rand ausgebreitet liegt, sie streichen über den Boden, nehmen herumliegende Metallstäbe in Augenschein und beugen sich über ein schwarzes Gebilde, das wie eine große Babyschaukel von der Decke baumelt.

Sie wollen ergründen, wie Caroline Creutzburg und ihr Team aus diesem kargen Raum so merkwürdig-urwüchsige Klänge herausgelockt haben, aus denen sie die Dramaturgie ihrer kurzen Performance „What on Earth“ geformt hat, deren Uraufführung der Mousonturm im Frankfurt LAB zeigt. Das ist einerseits eine gute Frage. Andererseits nehmen sich die Neugierigen damit ein Stück des geheimnisvollen Sogs, den Creutzbergs Klangcollage an einigen Stellen entfaltet hat.

Mit einem leisen Kratzen ging es nicht einmal eine Stunde zuvor los. Fast unbemerkt legte es sich über die dunkle Szenerie, in deren hinterer Ecke fünf unbewegliche Gestalten standen. Langsam wächst es sich aus, das Kratzen wird ein Reißen, hinzu kommt ein Tröpfeln und Gurgeln, ein Pfeifen und Rauschen. Naturassoziationen: Wasser, Gestein, Wind. Dann aber auch Tierisches, Schmatzen, Schnarchen – Heulen? Irgendwann gehen die Verben aus, um diese satte, auch absonderliche Sinfonie an Geräuschen zu beschreiben, die sich da aufbaut, dann leiser wird, abstoppt – und plötzlich in voller Lautstärke wieder einsetzt, von allen Seiten auf das Publikum eindrängt.

Ganz unmöglich kann sie aus diesem fast leeren Bühnenraum kommen, wo kaum etwas zu passieren scheint. Es dauert, bis die Erkenntnis durchsickert, dass sie zu großen Teilen in den Körpern der fünf Männer entsteht, die da fast vergessen an den Mikrofonen stehen und mit kaum sichtbaren Mundbewegungen so unmenschliche Töne aus ihren Kehlen drücken. Und aus kleinsten Bewegungen von Gegenständen: Ein Staubsaugerroboter fährt vorbei, eine riesige Plastikfolie wird vom Boden abgezogen, was dank weiterer Mikrofone - wo zum Teufel mögen sie überall angebracht sein? – einen ganz neuartigen Geräuschteppich erzeugt.

Ein „szenisch auditives Erdspektakel“ nennt die Ponto-Performance-Preisträgerin Caroline Creutzburg ihr Stück, mit dem sie ihr Studium der Angewandten Theaterwissenschaften abschließt. Imaginiert wird die Aktivität der Erde, der Erdkruste, ohne jede Art menschlicher Präsenz. Dieses Bild hätte sich bei der Zuschauerin ohne Begleitheft kaum eingestellt. Aber es ist auch nicht nötig, um sich einzulassen, um das Nachschwingen der Töne auch im eigenen Körper zu spüren.

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