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"Merkwürdige Gesten" im Mousonturm Am Kragen nesteln

„Merkwürdige Gesten“ im Mousonturm: Minimalistische Choreographien von Ingri Fiksdal und Giorgia Nardin.

„All dressed up“? Nur bedingt, wie sich herausstellt. Foto: Alice Brazzit

Ein kleines Tanz-Festival mit Namen „Merkwürdige Gesten“ macht gerade im Frankfurter Mousonturm Station. Und ja, die beiden Stückchen, die in diesem Rahmen nun zu sehen waren, stecken allemal voll merkwürdiger Gesten. Freilich wiederholt eines von ihnen seine nicht gerade hochkomplexen Bewegungen ein wenig penetrant.

Aber von vorn, was im Fall von „Band“ der norwegischen Choreographin Ingri Fiksdal Finsternis bedeutet. Vier bunt, sehr bunt und komplett verhüllte Performerinnen haben die Bühne betreten, das Licht geht aus, man soll das Rauschen der Kleiderstoffe hören. Man hört aber vor allem das Ächzen des Bodens, weil die Frauen im Dunkeln offenbar rhythmisch wippen.

Ganz langsam wird es hell, das Tänzerinnen-Quartett biegt sich wie Gräser im Wind, dann immer stärker, dann kommen die Arme hinzu. Minute um Minute werden einzelne Bewegungen wiederholt, werden sie etwas größer, etwas wilder. Nach einem Höhepunkt heftigen Armwirbelns und -wiegens gibt es eine Art Reprise. Dargestellt werden soll das Headbanging bei einem psychedelischen Konzert, Ohne Musik, ohne Ton.

Aufgebrezelt? Fast nackt

Für einige Abwechslung sorgt das Schattenspiel der vier Körper auf der Rückwand, oft hat jede Darstellerin im Scheinwerferkreuz zwei Schatten. Aber 50 Minuten lang stummes, leicht stilisiertes Headbanging mutet zuletzt doch arg minimalistisch an – will sagen: ist ein bisschen langweilig.

Die italienische Choreographin Giorgia Nardin packt ihr Publikum da schon aggressiver bei der Aufmerksamkeit. Mit einem, nein, zwei Kniffen. Erstens lässt sie ihre Darsteller (Marco D’Agostin, Sara Leghissa) fast die gesamten 40 Stück-Minuten durch auf einem Bein stehen – allenfalls können sie den einen Fuß auf dem Rücken des anderen abstützen. Zweitens tragen Tänzerin und Tänzer zwar langärmlige Hemden, darunter aber sind sie nackt. Was man erst sieht, als den kleinen Gesten (am Hemd zupfen, am Kragen nesteln) ausgreifendere Bewegungen folgen. Nur bedingt wahr ist also der Stücktitel: „All dressed up with nowhere to go“.

Auch dieses Duo steuert auf einen Höhepunkt zu – nachdem auch noch die Hemden ausgezogen sind: Behutsam trägt und birgt die Frau den Mann, steht er mal auf ihren Oberschenkeln, liegt mal in ihrem Schoß, während sie eine Brücke rückwärts hält. Eine reizvolle Umkehrung üblicher Kraftakte. Wie überhaupt „All dressed up“ mit Raffinesse zu einer (emotionalen) Reaktion zwingt, von Mitleid für die Ein-Bein-Steher bis zu Staunen.

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