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Maifestspiele Mit Schinken und Fahne

Martin Schläpfers muntere, manchmal alberne Choreografie zu Rossinis „Petite Messe solennelle“ bei den Wiesbadener Maifestspielen.

Petite Messe Solennelle
Das Ensemble in „Petite Messe solennelle“. Foto: Gert Weigelt

Die alten Verbindungen sind noch da: Martin Schläpfer, lange Jahre Choreograf in Mainz, seitdem Chef des Balletts am Rhein, konnte auf den Mainzer Bachchor bauen, als er nun mit seiner Choreografie zu Gioacchino Rossinis „Petite Messe solennelle“ zu den Wiesbadener Maifestspielen kam. Der Chor harmonierte aufs Beste mit den vier vom Rhein mitgebrachten Solisten – Morenike Fadayomi, Sopran, Katarzyna Kuncio, Alt, Stephen Chambers, Tenor, und Torben Jürgens, Bass; die ungewöhnliche Besetzung vervollständigten die Pianisten Wolfgang Wiechert und Dagmar Thelen sowie am Harmonium Patrick Francis Chestnut. Zu Rossinis nicht gerade über-feierlichem Werk schuf Schläpfer im vergangenen Jahr auch eine nicht sehr feierliche, in manchen Momenten sogar leicht alberne Choreografie.

Seine Idee: Auf einem italienischen Stadtplatz trifft sich buntes Volk, darunter eine Rosenkranz-Verkäuferin mit Lebenskrise, ein Pfarrer mit homosexueller Neigung, ein Bäcker mit Brotkorb, treffen sich Arme und Bürgertum. In drei schlichten Bögen hat Florian Etti die Bühne umbaut, seine vorwiegend blaugrauen oder erdfarbenen Kostüme haben eine etwas altmodische Anmutung.

Schläpfer tupft die Szenen hin, er erzählt keine Geschichte, vereinzelt die Figuren mal auf der Bühne, lässt dann das Ensemble auftanzen – aber nichts ist hier von einiger Dauer. Niedergedrückt erscheint die Frau mit den Rosenkränzen, hoch und drollig springt der Bäcker, Paare tanzen kurz auf wie bei einem Fest. Der Choreograf lässt mal barfuß, mal in derben, lauten Schuhen, die Frauen aber auch auf Spitze tanzen, benutzt rein klassisches wie modernes Vokabular, so dass der Eindruck einer durchaus sehr gemischten Gesellschaft entsteht.

Es ist dadurch aber auch ein – mit Pause zweistündiger – Abend, der formal ein wenig beliebig wirkt. Der Schweizer Choreograf war freilich schon immer einer, der eher zu viele Ideen hatte und sich scheinbar nicht von ihnen trennen konnte. Oder es nicht wollte. In dieser getanzten „Petite Messe solennelle“ reicht die Bandbreite von einer kleinen Männergruppe, die mit Mordsschinken wedelt oder Kaffee trinkt bis zu Fahnenschwingern und folkloristisch Aufstampfenden, bis zu elegant, fast engelhaft Schwebenden. Das Über-die-Musik-Drüberstampfen ist übrigens eine seltsame Schläpfersche Vorliebe geworden; bei den 2016er-Maifestspielen gastierte er mit „7“ zu Mahlers 7. Sinfonie, die auf diese Weise „begleitet“ wurde.

Rossini hat seine Messe mit Munterkeit – manchmal könnte man auch meinen Ironie – durchschossen, hier stört das Irrlichternde, bisweilen Über-Originelle der Schläpferschen Choreografie nicht. Und ohnehin tanzt sein Ensemble vom Rhein großartig.

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