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„Lumpenpack“ Konfetti für alle

Die Poetry-Slammer und Musik-Komödianten Jonas Meyer und Max Kennel setzen ihre Erfolgstour fort. Am Donnerstag gastierten sie auf Einladung des Hofgartens in Aschaffenburg.

Jonas Meyer (links) und Max Kennel.

In vielen ihrer Bühnenverträge seit 2012 hat sich das „Lumpenpack“ verpflichtet, nach dem Auftritt die Bühne zu fegen. Das kommt wohl einerseits daher, dass sie in Stuttgart und damit im Stammland der schwäbischen Kehrwoche beheimatet sind. Andererseits pflegen die beiden Blödelbarden, Unmengen von Konfetti und Luftschlangen zu verschießen, die anschließend wieder beseitigt werden müssen.

In Aschaffenburg dürften die Endzwanziger einen solchen Passus jedoch nicht unterzeichnet haben. Denn der Platz bei ihrem Open Air war mit Split bedeckt, so dass sich eine Räumungsaktion, nur durch die beiden Künstler, bis weit nach Mitternacht hinausgezogen hätte.

Mit einem Potpourri aus ihren bisher drei Alben lockten Jonas Meyer und Max Kennel Fans aus dem gesamten Rhein-Main-Gebiet nach Aschaffenburg. Da war für fast jeden etwas dabei, ob Abiturient, Heilpraktiker oder frisch Angetraute, denen man im Fall des Falles ein Hochzeitskleid ausleiht. Ein eigenes Lied haben sie der Ex-AfD-Chefin Frauke Petry gewidmet. Als sie eine junge Dame mit dem gleichen Nachnamen kennenlernen, hoffen sie darauf, dass ihr Vater („Lieber schlechter Schlager als beschissene Politik“) Wolfgang heißen möge.

Reste werden eingetuppert

Über ihre mindestens so erfolgreiche Poetry-Slam-Kollegin Julia Engelmann lästern Jonas und Max ebenfalls ab und parodieren ihr Gedicht „Eines Tages, Baby, da werden wir alt sein“ in amüsanten Tönen. Nicht fehlen darf in einem solchen Repertoir natürlich der Senkrechtstarter von 2015 „Guacamole“, der vom Publikum textsicher mitgesungen wird.

Darin erinnern sich die beiden Ex-Studenten, die im Übrigen – im Gegensatz zu vielen Kabarettisten – einen Abschluss haben, an frühere exzessive Partys. Statt Bier aber wird inzwischen Rotweinschorle getrunken, man pinkelt im Sitzen, geknutscht wird kaum noch und am Ende werden die Reste eingetuppert mit nach Hause genommen.

Auch Kinderlieder für überforderte Erwachsene haben sich die beiden ausgedacht. Junge Eltern, die zwar für ihre Sprösslinge singen „Morgen früh, wenn Gott will, wirst du wieder geweckt“. Aber dabei klammheimlich denken: „Und wenn er nicht will, dann können wir endlich mal wieder ausschlafen.“ So kann und will sich das Duo auch nicht verkneifen, den Abend honigsüß mit eben diesem Wiegenlied von Brahms zu beschließen.

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