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Komödie Frankfurt Im Lichte der Lavalampe

Fast alles über Pärchen: Das Stück „Alles über Liebe“ in der Komödie Frankfurt.

Theater
Auch eine ausflippende Therapeutin kann Paare einander wieder näherbringen. Foto: Bernd Böhner

Die Sphäre der Eheberatung und Paartherapie ist besonders komödiengeeignet. Das mag mit permanenten Wiedererkennungseffekten zusammenhängen – so originell, wie sie sich vorkommen, sind die meisten Pärchen nicht –, dazu gibt es trotzdem die Möglichkeit, so zu tun, als hätte es mit einem selbst gar nicht so viel zu tun. Nur der Partner / die Partnerin kennt die Wahrheit. Natürlich ist der Besuch solcher Stücke auch ein Test für den Zustand einer Beziehung. Und jedes Paar sollte also auch unter diesem Aspekt entscheiden, ob es sich Stephan Eckels „Alles über Liebe“ in der Frankfurter Komödie ansehen will. Alleinstehende können sich entspannter zurücklehnen, müssen allerdings in Kauf nehmen, dass auch die (geschiedene) Therapeutin über kurz oder lang die Nerven verliert.

Eine Ehe in der Krise: Sie hat das Gefühl, nur noch Mutter zu sein und dabei namentlich am laufenden Band lustige Kostüme für Kindergartenaufführungen herstellen zu müssen. Er ist schlechter Laune und redet ständig über Geld, scheint aber besser sortiert. Ein Irrtum. Überhaupt relativiert sich später der Eindruck, Eckel könne naturgemäß nicht anders, als Partei für den Mann zu ergreifen. Es geht aber schon um Stereotype und zugleich eben – ein weiterer Vorteil einer Therapiesituation – das ständige Entlarven, Thematisieren und Verhohnepiepeln dieser Stereotype.

Offensiver Klamauk und ein gewisser Resternst halten sich letztlich die Waage. Das wird auch in der Figur der Therapeutin deutlich, die zwar der Prototyp eines hypersensiblen und psychologisch geschulten Menschen ist („was macht das jetzt mit Ihnen?“), aber zugleich nicht unerfolgreich therapiert. Renan Demirkan macht sich und uns einen Spaß daraus, noch dazu an einem unbehandelten Reinlichkeitszwang zu laborieren und überhaupt virtuos an ihren eigenen Leiden zu leiden. Sehr lustig auch ihr etwas esoterischer Umgang mit der Lavalampe.

Für die jetzt in der Frankfurter Komödie angelangte Tourneeproduktion von „Alles über Liebe“ hat Mark Späth ein schneeweißes Mobiliar aufgebaut, blütenweiß auch die Kleidung der offenbar an fliegender Hitze leidenden Therapeutin, und wer hier versehentlich spuckt oder ein Wasserglas neben den Untersetzer stellt, bekommt es mit ihr zu tun. Die Zwänge der Therapeutin laufen aber längere Zeit hübsch bloß so mit, das Gespür von Regisseur Jürg Schlachter für das richtige Maß an Übertreibung funktioniert. Während Tanja Schumann als Ehefrau Anna lamentiert, muss man nicht einmal selbst verheiratet zu sein, um ihr zu glauben. Während Giovanni Arvaneh bei der Entspannungsübung einschläft, ahnt man, was kommt, es ist aber trotzdem ulkig: das zarte Schnarchen, die wütende Ehefrau.

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