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Komische Oper Berlin Ein pathologischer Fall

Erich Wolfgang Korngolds „Die tote Stadt“ gerät an der Komischen Oper Berlin etwas spröde.

Szene aus "Die tote Stadt"
Ist er womöglich doch ein Gewalttäter? Sara Jakubiak als Marietta und Ales Briscein als Paul. Foto: Iko Freese / drama-berlin.de

Eine Folge war, dass selbst die fulminante Sara Jakubiak – Zentrum der unvergessenen Frankfurter „Passagierin“, ohne die zudem das „Wunder der Heliane“ an der Deutschen Oper Berlin in diesem Frühjahr kaum möglich gewesen wäre – als Marietta etwas blasser blieb als gewohnt. Golden genug aber ihre große, weiche Stimme, lebendig, fit, vielleicht eine Spur routiniert ihr Spiel. Aber Marietta ist nicht erst seit gestern im Showbiz, und sie wird hier nicht wichtiger gemacht, als sie ist. Überwältigend Jakubiaks ernstes, ruhiges Marie-Gesicht im Video, überwältigend ihr flacher, mysteriöser Geistergesang, den das Orchester mit wenig Zauber umhüllt. 

Knallhart die Partie des Paul, der noch  mit der deutschen Aussprache kämpfende Tscheche Ales Briscein macht es an sich wunderbar, kraftvoll, mit sehr hellem Timbre und in den permanent erforderten Höhen fast mühelos, wenn auch mit einigen verblüffend missratenen Registerwechseln (mit manchem dadurch nachgerade lächerlich wirkenden „Marie“-Ausruf). 
Sehr überzeugend ist ferner Günter Papendell als von unten beruhigend auf den verstörten Tenor einwirkender Freund Frank und auch als Komödiant Fritz, der einen der beiden Hits der „Toten Stadt“ singt, „Mein Sehnen, mein Wähnen“. Der andere, „Glück, das mir verblieb“, gehört Marietta und Paul, die in Berlin auch absolut willens und in der Lage schienen, ihn mit der gebotenen Zartheit zu präsentieren.

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