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Karl-Ernst Herrmann Seelenräume in magischem Licht

Er hat mit seinen epochalen Bühnenbildern Theatergeschichte geschrieben: Zum Tod von Karl-Ernst Herrmann.

„La Clemenza di Tito“
Im Mai 2005 inszenierte Karl Ernst Herrmann in der Pariser Garnier-Oper Mozarts „La Clemenza di Tito“ in dem von ihm auch geschaffenen Bühnenbild. Foto: Roger Viollet/Ullstein

Sein letztes Bühnenbild schuf Karl-Ernst Herrmann für Shakespeares „König Lear“ in einer Inszenierung von Claus Peymann im Februar am Staatstheater Stuttgart: Ein weißer Kreis auf schwarzer Spielfläche, rohe Bretter, leicht ansteigend, und von oben szenenweise Regen, Regen und Wind. 

In den fast 50 Jahren, in denen Herrmann mit Peymann zusammenarbeitete, war er vielleicht nie so elementar gewesen. Magisch immer. Als Szenograph ein Maler. Und ein Meister des Lichts. 

Karl-Ernst Herrmann baute die Seelenlandschaften für den psychologischen Realismus im westdeutschen Theater seit den 70er Jahren. Tiefer als das Leben selbst. Und um wie viel schöner!

Karl-Ernst Herrmann wurde 1936 in der Oberlausitz geboren und studierte in den 50er Jahren bei Willi Schmidt in West-Berlin. Sein erstes Engagement bekam er 1961 am Theater Ulm als Assistent von Wilfried Minks bei dem großen Entdecker Kurt Hübner, der Herrmann bald darauf nach Bremen mitnahm, wo sich – parallel zum dokumentarischen Theater in Berlin – mit Peter Stein, Claus Peymann und Peter Zadek das Regietheater entwickelte. 

Die Pop-Elemente daran überließ Herrmann eher Minks und begann selbst die Zusammenarbeit mit Peter Stein und Claus Peymann. 1971 wurde er zum Mitgründer der Schaubühne in Berlin und zum Mitforscher nach der zeitgeschichtlichen und emotionalen Essenz der Stücke. Der legendäre Birkenwald in Steins „Sommergäste“-Inszenierung (1974) ist von ihm. 

Auch mit Klaus-Michael Grüber arbeitete er, George Tabori, Luc Bondy und immer wieder Claus Peymann. Am Bochum Schauspielhaus, am Burgtheater Wien und in den letzten Jahren auch viel am Berliner Ensemble. Sie waren sich treu in ihrer Unbedingtheit, sie brauchten sich. Dabei inszenierte Karl-Ernst Herrmann längst selbst. Gemeinsam mit seiner Frau Ursula Herrmann hatte er in den 80er Jahren die Oper entdeckt und führte im Team mit ihr Regie: in Brüssel, bei den Salzburger Festspielen, in ganz Europa. Geradezu epochal prägend aber waren seine Theaterräume, die von einer so überirdischen Echtheit waren, wie sie nur die Bühne zu bieten vermag.

Am Sonntag starb Karl-Ernst Herrmann in Berlin. Er wurde 81 Jahre alt. 

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