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John Cleese in Frankfurt John Cleese verabschiedet sich von Frankfurt

John Cleese kommt auf seiner Abschiedstour nach Frankfurt. In der Alten Oper blickt er zurück auf Jahrzehnte erfolgreichen Veralberns.

John Cleese
Ein Berufsleben für schwarzen Humor, schlechten Geschmack, Albernheit: John Cleese. Foto: rtr

Kommendes Jahr wird John Cleese 80, und da er nicht nur ein Freund alberner, sondern auch offener Worte ist, schreibt er über seine Tour: „Last Time to See Me Before I Die“. Den Abend in der Alten Oper verbringt er zwischen Sitzen und Lehnen auf einem vermutlich rückenschonenden Stuhl, plaudert über dies und das (Hotels und ihren Service, nochmal Hotels und ihren Service, Fans, den Tod), lässt Filmausschnitte einspielen, die manchmal von erschreckend schlechter Ton- und Bildqualität sind (war das Fernsehen in den siebziger Jahren tatsächlich so grisselig?), ist herzhaft geschmacklos, ganz unsentimental, bringt aber nur selten die Gegenwart ins Spiel. Obwohl sich mit einem hässlichen Bild Donald Trumps schönste Erfolge erzielen lassen.

John Cleese, Jahrgang 1939, war auch ohne die Monty Pythons als Komiker und Schauspieler erfolgreich – die Serie „Fawlty Towers“, der Film „Ein Fisch namens Wanda“ werden an diesem Abend gewürdigt -, doch tauchen naturgemäß in den Filmeinspielungen Terry Gilliam und Eric Idle, Terry Jones und Michael Palin auf, auch der jung gestorbene Graham Chapman (1941–1989). Cleese soll dessen Tod ziemlich mitgenommen haben; er war aber auch auf der Trauerfeier der Pythons (die der Familie fand getrennt statt) schon wieder ganz der professionelle, möglichst krasse Spötter, der eine „herrliche Gelegenheit“ nutzte, die Trauergäste zu schockieren – mit einer kleinen Beschimpfung des Toten, denn: „Er verdient alles, aber nicht gedankenlosen guten Geschmack.“ Man spürt an diesem Abschiedsabend (wenn es denn ein Abschiedsabend ist) einen nicht geringen Stolz darauf, jahrzehntelang alles für die silliness, den bad taste, den black humour getan zu haben. Und vor allem für „die Kunst, abscheuliche Menschen vor den Kopf zu stoßen“.

Dass zum Beispiel die christlichen Kirchen den Film „Das Leben des Brian“ schwer missbilligten, den Besuch zu sanktionieren versuchten, dass auch jüdische Vereinigungen protestierten, erzählt John Cleese mit Genuss. Der Satiriker als Moralist schaut da deutlich um die Ecke – und ein Humor, der weit mehr als „dreieckig“ und „hellorange“ ist (so die Python-Eigeneinordnung).

„Last Time to See Me Before I Die“ ist ein Rückblick-im-Schnelldurchlauf, ein kleines Best-of: Ah, der grandios blöde „Fish-Slapping Dance“, oh, der wunderbar sinnfreie Song „Eric the Half-a-Bee“. Als Petersilie streut Cleese Dönkes aus seinem Leben als vielreisender Star darauf, scherzt über Hotelangestellte, die die Bettdecke zurückschlagen und ein Eck des Klopapiers einfalten. Ja, das sind einmal nur Scherzchen vom großen John Cleese, aber er weiß die Pointen trotzdem zu setzen. Zuletzt macht er sich lustig über den Tod und erklärt, warum der Mensch darüber besonders ausgelassen lacht (57 Sekunden waren es angeblich in der Alten Oper). John Cleeses Humor-Theorie: Beim Lachen über Tabu-Themen löst sich auch immer ein bisschen Angst, daraus wiederum entsteht zusätzliche (Gacker-)Energie. Davon war in Frankfurt an diesem Abend nicht wenig unterwegs.

Aber eigentlich muss einmal wieder und dringend die „Das Leben des Brian“-DVD herausgekramt werden. Denn im Gegensatz zu uns, dem Publikum, ist dieser Film unsterblich.

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