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„Jesus Christ Superstar“ in Frankfurt Alles wird gut, ja, alles wird gut

Das unschlagbare Musical „Jesus Christ Superstar“ landet punktgenau über die Kar- und Ostertage in der Alten Oper Frankfurt.

Jesus Christ Superstar am Palmsonntag. Foto: Pamela Raith

Jesus Christ Superstar“ hat genialische, durch die immense Farbigkeit auch opernhafte Züge: Ein erstaunlicher Wurf des 21-jährigen Andrew Lloyd Webber, außerdem ein Ohrwurmbringer sondergleichen. So viel – und so kompetent! – wurde in der Alten Oper selten mitgesungen wie jetzt in Reihe 5 bei der Frankfurt-Premiere der neuen „offiziellen“ britischen Produktion, die im vergangenen Sommer erstmals in Deutschland (Hamburg) gastierte. Hier ist sie jetzt aber auch noch zur richtigen Jahreszeit zu sehen und zu hören.

Die Regisseure, Bob Tomson und Produzent Bill Kenwright, gehen traditionell vor, aber verstaubt ist es nicht. Auch gibt es keine lästigen Zwischentexte. Auch wird, hurra, auf Englisch gesungen. Auch funktioniert die Tontechnik weitgehend gut und bringt die in einem Nebenraum donnernde Band (Leitung: Tim Whiting) zur Geltung. Auch wurde der entzückende Kinderchor der Burgkirche Dreieichenhain engagiert.

Auch schwebt eine gewaltige stilisierte Dornenkrone über der Bühne (von Paul Farnsworth) mit Galerie, beweglichen Treppen und ornamentreichen Architekturbrocken, so dass ohne größere Bühnentechnik Effekte zu erzielen sind. Nicht so prächtig wie zu Weihnachten in „Elisabeth“, aber prächtig genug.

Ein, wenn man so sagen darf, sehr erfahrener Jesus, der Brite Glenn Carter, steht im Zentrum einer Geschichte, die auch hier wieder durch ihre nicht sehr transzendente Menschlichkeit überzeugt. Die Jüngerschar lebt zudem bekanntlich friedlich mit Frauen zusammen. Alles Fromme und Männerbündische geht ihr ab, erst recht, wo eine so holde und dabei standfeste Darstellerin wie Rebekah Lowings die unsterblichen Schlager von Maria Magdalena singt („I don’t know how to love him“, „Everything’s alright“). Sinnig zeigen sich auch menschliche Gereiztheiten, und zwischendurch baut man sich kurz zum lebenden Abendmahl-Bild auf.

Um Jesus herum muss aber alles so sein, wie es in der Schrift geschrieben steht (Texter Tim Rice: „Ich hatte nicht die Absicht, mir irgendwelche Freiheiten beim Plot zu erlauben“). Smart schurkenhafte Hohepriester und Schriftgelehrte, beim Publikum ungerechterweise ihrer auch hier wieder äußerst peppigen Songs wegen besonders beliebt, spielen genauso ihre Rolle wie der unglückliche Judas, Tim Oxbrow, obwohl ihm die Haare zu Berge stehen. Unglücklich, weil er Jesus besonders zugetan ist, aber selbst das wurde schon im Konfirmandenunterricht nicht ausgeschlossen. Klar ist auf jeden Fall, dass er muss, ob er will oder nicht.

Und auch Pontius Pilatus (elegant: Christopher Jacobsen) tut seine biblische Pflicht und wäscht danach seine Hände in Unschuld beziehungsweise in einem rasch angereichten Behältnis. Herodes (Tom Gilling) hingegen, neckisch aufgebrezelter Anführer einer dekadenten Runde, zieht sich geschickt aus der Affäre.

Der grelle Auftritt der ebenfalls mit herzlichstem Beifall bedachten Herodes-Leutchen ist die letzte Entspannung vor dem bitteren Ende. Es steigert sich in dieser Produktion nicht auf Mel-Gibson-Ausführlichkeit, erreicht aber Oberammergau-Niveau. Carter, vom Typ her eher robust als durchgeistigt, jedenfalls Fleisch und Blut durch und durch, zeigt jetzt, was er als Schmerzensmann zu bieten hat. Einiges. Man ist wirklich hin- und hergerissen zwischen Befremden und Entsetzen.

Auch geht das Ganze natürlich nicht so schnell, wie einem lieb wäre. Wie ist es schön, dass sich hernach doch noch alles zum Guten wendet.

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