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Internationale Maifestspiele Auf der Stehparty

Das große Opern-Gastspiel bei den internationalen Maifestspielen in Wiesbaden bietet "Nabucco"-Emotionen von der Rampe aus. Von Judith von Sternburg

Das verbleibende große Opern-Gastspiel bei den Internationalen Maifestspielen in Wiesbaden kam für zwei Abende erneut vom Teatro Regio di Parma, gelegen in der Emilia Romagna, Partnerregion des Bundeslands Hessen. Das ist ein vernünftiges Arrangement für die Festspiele, die in goldenen Zeiten (als Kindern wurde uns davon fast so oft erzählt wie von den Bombennächten) vor allem aus Musikereignissen bestanden. Längst ist das zu teuer geworden. Unter Staatstheaterintendant Manfred Beilharz haben sich dafür die Tanz- und Schauspielgastspiele auf einen verlässlichen Höhenflug begeben.

Und die Opernbesucher durften sich immerhin auf der Gedanken goldene Flügel begeben. Denn die gut 160 angereisten Sänger und Musiker spielten Verdis "Nabucco", in einer verblüffenden Verbindung aus Emotion und Ökonomie. Im Orchestergraben riss es den Dirigenten Daniele Callegari schier hin.

Das Ergebnis war frisch, unkompliziert und keineswegs undiszipliniert. Oben hielten die Sänger mühelos mit, allen voran Dimitra Theodossiou in der musikalisch und überhaupt tückischen Rolle der Abigail und Giovanni Meoni als Titelheld. Im Verein mit dem mächtigen, aber ebenfalls nie einfach nur wuchtenden Chor ergab sich kein Stimmfest, aber eine schöne Stehparty.

Denn die Inszenierung von Daniele Abbado (Sohn von Claudio Abbado) beließ es beim Rampen-Singen, wie es hier zu Lande nicht mehr häufig geboten wird. Und zu Recht als zu wenig gilt. Auch wenn die Übertitelung stets daran erinnerte, dass derartig viel Wut im Wechsel mit so vielen Bitten um Vergebung und Anrufungen von Töchtern und Vaterland - und dies alles auf eine so gleichbleibend köstliche Musik - szenisch schwierig umzusetzen ist.

Zum Stehen und Schreiten kamen alle klassischen Gesten, gerungene Hände, erhobene Fäuste, und beim Erzählen wurde die Sängerpranke auf die Schulter des brav zuhörenden Choristen gelegt. Das macht Spaß, bis es dann doch fade wird.

Grotesk zum Teil die Kostümierung, die Anzüge für den Chor mit Märchengewändern für die Solisten (und langen Bärten) kombinierte. Hoch die Mauern der Kulissen, die - zumal in den Momenten, in denen man nicht sicher war, ob sie sich nun wirklich aufklappen lassen würden - eine Hauptrolle spielten. Sie wirkten letztlich kaum unbeweglicher als die Menschen und wurden ins rechte Licht gesetzt. Denn, um mit Alfred Polgar zu sprechen: Gott segne den Beleuchter.

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