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„Herzversagen“ „Sie gefallen mir. Sie gefallen mir sehr“

Ein Romy-Schneider-Abend von Wolfgang Spielvogel im Frankfurter Autorentheater.

Romy Schneider ist 1982 in Paris gestorben, gerade einmal zwölf Tage später ist Rainer Werner Fassbinder ihr gefolgt. Bei beiden war die Todesursache Herzversagen. „Herzversagen oder Schön waren wir alle“ heißt das neue Stück des Autors und Regisseurs Wolfgang Spielvogel – unter dem Etikett Ensemble 36 GRAD kehrt er damit auf das Gelände der Brotfabrik zurück, als Gast des Frankfurter Autorentheaters, das er einst mitbegründet hat.

Überliefert ist ein an Fassbinder gerichteter Brief aus dem Jahr 1975, in dem die Schauspielerin das Angebot ausschlägt, die Hauptrolle in dem Film „Die Ehe der Maria Braun“ zu spielen. Wolfgang Spielvogel, schon seit seinem Petra Kelly/Gert Bastian-Stück „Primadonna/Schwerer Held“ Mitte der neunziger Jahre ein Fachmann für biografisch-fiktionale Theaterfantasien, hat eine mit verwirbelten Wirklichkeitssplittern aufwartende Szenenfolge ausgesponnen, in der Fassbinder erst sehr spät seinen Auftritt hat.

Zunächst, während des Einlasses schon, tummelt sich auf der Bühne die Stehgesellschaft einer Vernissage, mit Sektgläsern in der Hand. Die Romy ist eine dreifache, mit Sandra Baumeister, Michaela Conrad und Manuela Koschwitz, sämtlich in schwarzen Cocktailkleidern; sie nehmen beiläufig andere Rollen ein, derweil Franz Fischer alle Männer spielt. Oder, genauer gesagt: chargiert.

Denn das ist das Kennzeichen der Regie Spielvogels an diesem Abend: Sie zielt auf eine gewisse Abziehbildhaftigkeit, was für den Umgang mit populären Mythen auch keine üble Methode sein muss. Die Männer jedenfalls – Harry Meyen oder Burkhard Driest, und über allem schwebt noch Alain Delon – sind vom morbus egocentricus befallen, was sich schon äußerlich in Kostümierungen wie einer stenzhaften Strickjacke ausdrückt.

Es ist viel Aufladung, viel Furor in den Szenen. Das ist auch als Zeichen der Zeit von 1968ff. zu verstehen. Immer wieder fallen legendäre Schlüsselsätze wie – gleich mehrfach – jene, die Romy Schneider in einer Talkshow zu ihrem Schauspielerkollegen Burkhard Driest sagte: „Sie gefallen mir. Sie gefallen mir sehr.“ Fassbinder dann – Sonnenbrille! – gerät erst recht vollends zur Parodie, und schließlich kommt dann auch noch ein Schwenk zur RAF. Speziell der Fall Meinhof – und der unvermittelte Sprung in ein anderes Leben.

Es klingt an, dass Frauen die „Wichsvorlagen“ für die Männer sind und es geht um eine grundlegende Lebenssehnsucht, die letztlich alle zentralen Figuren dieses Abends eint. Interessantes Motiv, unglücklicherweise jedoch ist da ein Gutteil Zähigkeit im Spiel.

Frankfurter Autorentheater auf dem Gelände der Brotfabrik: 16., 17., 18. November. www.fat-web.de

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