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Helmuth Lohner ist tot Helmuth Lohner konnte alle spielen

Filou und feiner Herr, Jedermann, Tod und Teufel: Der große österreichische Schauspieler Helmuth Lohner ist im Alter von 82 Jahren gestorben.

Helmuth Lohner als Teufel im Salzburger "Jedermann", 1987. Foto: dpa

Er hat alles gespielt. Weil er alles spielen konnte. Er verkörperte im „Jedermann“ nicht nur die Titelrolle, er war im Laufe der Jahre auch Tod und Teufel. Er gab so vielen Figuren Nestroys ihr Gepräge und war doch auch einer der typischen Charaktere Schnitzlers, dieser gutsituierten Grübler, denen der Ennui zum zweiten Anzug geworden ist. Doch bei all den Komödien, die Helmuth Lohner im Theater und im Film gespielt und inszeniert hat, lag ihm der feine Herr näher als der Filou. Jetzt ist der große österreichische Schauspieler im Alter von 82 Jahren in seiner Geburtsstadt Wien gestorben.

Der Sohn eines Schlossers aus dem Wiener Stadtteil Ottakring muss seinen Beruf als Berufung begriffen haben, denn er hatte als junger Mann privaten Schauspielunterricht genommen und rasch ein Engagement bekommen – als Buffo in den Operetten am Theater in Klagenfurt. Und es spricht für seine Vielseitigkeit, dass er später als Sänger Erfolg hatte, wenn er sich der Texte und Lieder von Autoren wie Frank Wedekind oder Johann Nestroy annahm. Rasch kam der junge Mime ans Wiener Theater in der Josefstadt, und dort fand er seine künstlerische Heimat, der er zeitlebens verbunden blieb.

Die der Tradition des österreichischen Schauspiels verpflichtete Bühne bot dem wandlungsfähigen Darsteller in den Stücken von Nestroy bis Horvath ausgiebig Gelegenheit, sein Talent zu entfalten, so dass er schon bald vom Film entdeckt wurde. Dort durfte er zunächst vor allem den charmanten Bruder Leichtfuß oder den romantischen Hallodri geben. Doch blieb er zehn Jahre lang am Theater in der Josefstadt – das er von 1997 bis 2006 selbst leitete – für einen österreichischen Bühnenkünstler, wie der ehemalige Frankfurter Intendant Peter Eschberg, Altersgenosse Lohners, einmal verriet, die Krönung einer Laufbahn.

Den Ritterschlag hatte Lohner schon zuvor erhalten, mit seiner Berufung ans Burgtheater und seiner Rolle als Jedermann in Salzburg. Selbstverständlich trat er auch an den großen deutschsprachigen Bühnen wie Zürich, München, Düsseldorf auf, wo er von Shakespeare bis Arthur Miller die wichtigen Rollen spielte. Häufig arbeitete Lohner mit dem drei Jahre älteren Otto Schenk zusammen, einem Bruder im Geiste, dem er etwa auch als Direktor an der Josefstadt folgte, und mit dem gemeinsam er kabarettistische Kabinettstückchen lieferte, was die beiden später (2005) als eine kleine Buchreihe unter dem Motto „Lacherfolge“ herausbrachten.

Anfang der sechziger Jahre begann dann Lohners Stern im noch relativ jungen Medium Fernsehen aufzugehen, wo er 1965 in „Radetzkymarsch“ einen Beweis seiner Kunst gab. Wer einmal erlebt hat, wie er als Leutnant von Trotta sehenden Auges seinem Tod entgegengeht, wird diesen Blick, in dem die Melancholie der untergehenden K.u.k.-Monarchie liegt, nicht vergessen.

Die Kamera schmeichelte Lohners feinen, scharf geschnittenen Zügen; so außergewöhnlich wie seine Sprechkultur für die Bühne war sein Nuancenreichtum vor der Kamera, der ihn die unterschiedlichsten Charaktere glaubhaft darstellen ließ.

Und dann auch: Regisseur

Die Mini-Serie mit dem auf Lohner geradezu zugeschnittenen Titel „Der elegante Hund“ sah ihn als einen Herzensbrecher, und im ZDF-Straßenfeger „Babeck“ musste er sich als Journalist auf der Suche nach seinem Vater so prominenter Bösewichter wie Helmut Käutner erwehren...

Dass solch eine Koryphäe auch irgendwann Regie führt, ist nicht weiter erstaunlich; dabei widmete er sich aber vor allem der Komödie und der Operette. Noch 2012 inszenierte er bei den Seefestspielen in Mörbisch „Die Fledermaus“.

So bodenständig er sich beruflich gab, so turbulent muss sein Privatleben gewesen sein. Seine erste Ehefrau Susanne Cramer heiratete er gleich zweimal, mit ihr hat er eine Tochter, wie auch mit Schauspielkollegin Karin Baal, deren Tochter Therese Lohner ebenfalls als Schauspielerin in Wien lebt. Die dritte Gattin war die Journalistin Ricarda Reinisch-Zielinski, und nach ihr lebte Lohner nach österreichischen Begriffen „in wilder Ehe“ mit Elisabeth Gürtler-Mauthner zusammen, der Chefin des Hotel Sacher, bis die beiden 2011 heirateten. Nicht nur sie werden nun um einen der bedeutendsten Schauspieler Österreichs trauern.

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