Lade Inhalte...

Gogol-Theater Russischer Regisseur Serebrennikow festgenommen

Theaterregisseur Kirill Serebrennikow steht der russischen Führung kritisch gegenüber. Nun wird er verhaftet, weil er staatliche Gelder veruntreut haben soll.

Kirill Serebrennikow
Kirill Serebrennikow, Jahrgang 1969, russischer Regisseur. Foto: dpa

Das war leider zu erwarten: Kirill Serebrennikow wurde in Moskau festgenommen. Man wirft ihm Betrug vor; der Leiter des Gogol-Theaters soll zwischen 2011 und 2014 rund eine Million Euro veruntreut haben. Die frühere Chefbuchhalterin seiner Produktionsfirma „Siebtes Studio“ habe ihn, so heißt es, in Vernehmungen entsprechend belastet. Schon im Juni wurde deshalb Serebrennikows Wohnung durchsucht, einen Monat zuvor nahmen die Staatlichen Ermittlungsbehörden bereits drei Mitarbeiter von Serebrennikows Theatergruppe „Platforma“ fest. Auch damals lautete der Vorwurf auf Veruntreuung.

Das lässt sich nicht überprüfen. Aber man muss stark bezweifeln, dass es hier tatsächlich um einen Betrugsfall geht. Kirill Serebrennikows Mitarbeiter Alexej Malobrodski, Juri Itin und Nina Masljajewa, wird vorgeworfen, Geldsummen in Höhe von 70.000 Euro entwendet zu haben, anstatt sie für die Produktion von Serebrennikows Inszenierung „Ein Mittsommernachtstraum“ einzusetzen.

Das ist an Absurdität schwer zu überbieten, denn die Behörden gehen davon aus, dass diese Inszenierung aufgrund des angeblich fehlenden Geldes nicht zustandegekommen sei. Was nachweislich falsch ist, die Inszenierung wurde in Russland und im Ausland mehrfach gezeigt.
Aber das half nichts, die Ermittler glauben das nicht. Das Theater hat ihnen Rezensionen und Werbeplakate gezeigt, zudem sich von Zuschauer bezeugen lassen, dass sie tatsächlich in der wirklich stattgefunden habenden Inszenierung waren – alles vergebens. Was die Behörden nicht wahrhaben wollen, gibt es nicht. Russische Realität. Punkt.

Zu dieser Realität gehört, dass alle und alles kriminalisiert wird, was der Staatsideologie zuwider ist und ihr also gefährlich werden könnte. Anfang Juli musste das Moskauer Bolschoi-Theater vier Tage vor der Premiere Serebrennikows Ballett-Stück über den weltbekannten klassischen Tänzer Rudolf Nurejew absagen. Weil Nurejew offen bekennender Homosexueller war? Oder weil Serebrennikow wiederholt die Putin-Diktatur kritisiert hat? Es wurden keine genauen Gründe bekannt. Man kann nur vermuten – und muss annehmen, dass es auch hier um politische, nicht um künstlerische Fragen geht. Kirill Serebrennikow stört im Reiche Putin, weil er diesem seine Gefolgschaft verweigert.

Der Welt außerhalb dieses Reiches bleibt einstweilen nur, einmal mehr Einspruch zu erheben und zu protestieren. Von Berlin aus, wo Kirill Serebrennikow an der Komischen Oper zwei Mal bereits inszeniert hat, von Stuttgart aus, wo er im September die Humperdinck-Oper „Hänsel und Gretel“ herausbringen wollte. Und bitteschön auch von jener Kanzlerin, die ja gerade wissen ließ, dass „nicht in Ordnung sei“, wie ihr Vorgänger mit Russland anbandelt.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum