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Fritz Rémond Theater Aber er kann zaubern

„Kapriolen mit Juliette“ mit Karlheinz Lemken und seiner Tochter Julia Dahmen in Frankfurt.

Georges und Juliette
Georges und Juliette. Foto: Fritz Rémond Theater

Der Zufall scheint die beiden zusammengeführt zu haben. George und Juliette lernen sich in der Pause eines misslungenen Theaterabends kennen und verabreden sich nach ein paar Drinks in einer Bar für den nächsten Tag in der Stadtwohnung des verheirateten Unternehmers. Während sie – dauerplappernd und mit ihren Reizen nicht geizend – schnell klarmacht, worauf das hinauslaufen soll, bleibt der deutlich ältere, aber noch rüstige Herr und auserwählte Sugar-Daddy erstaunlich zurückhaltend. Ein Dialog entspinnt sich, in dem es natürlich um Ehen und Beziehungen, Verführung und Potenz geht. Aber in dem, so viel sei schon mal festgestellt, der rechte Pfiff fehlt.

Michael Wedekind hat für seine 16. Regiearbeit am Frankfurter Fritz Rémond Theater das laut Programmheft damit uraufgeführte Zwei-Personen-Stück „Kapriolen mit Juliette“ des in Wales geborenen Autors Eddie Cornwell gewählt. Besetzt hat es der gebürtige Berliner mit Vater und Tochter, Karlheinz Lemken und Julia Dahmen, die schon mit Cornwells Psychokrimi „Das Verhör“ gemeinsam auf Tournee waren. Bei dieser Produktion allerdings wirft die Rollenverteilung das Problem auf, dass sich des Rätsels Lösung von Anfang an erahnen lässt. Dass Juliette nämlich die uneheliche Tochter Georges aus einer leidenschaftlichen Urlaubsliebe in Südfrankreich ist. Und dass das Zusammentreffen von einem der beiden ganz bewusst und geschickt geplant war.

Das lebhafte Ping-Pong-Spiel der Geschlechter, das vorher zu beobachten ist, bringt kaum eine noch nicht bekannte Pointe hervor. Anfangs gestaltet es sich dennoch kurzweilig, zumal man darauf hoffen darf, dass sich doch noch etwas Überraschendes im zweiten Teil verbirgt. Im weiteren Verlauf der vermeintlich amourösen Begegnung jedoch wird immer klarer, dass da nicht mehr viel kommen kann. Selbst das Ende wird, als es quasi schon auf der Hand liegt, so lange hinausgezögert, bis am Premierenabend an vielen Stellen des Zuschauerraums das Verwandtschaftverhältnis schon ungeduldig vorhergesagt wird.

Für gelungene Abwechslung im Wortgefecht sorgen unterhaltsame Zaubertricks des aus zahlreichen Fernsehkrimis bekannten Lemken, der allerdings als Komödiant nicht so recht zu überzeugen vermag. Der Nachwuchs schlägt sich da als resolute, zielstrebige Femme fatale schon besser. Regisseur Wedekind selbst hat für das Bühnenbild ein elegantes Appartement mit in unterschiedlichen Blautönen bemalten Wänden und Kunstdrucken kreiert. Die für den Boulevard übliche Couch in der Mitte, auf der Juliette mal über ihren korpulenten Gatten klagt, der seine ansehnliche Wampe stolz als „Delikatessenladen“ bezeichnet, und sich dann wieder vergeblich lockend räkelt, darf genauso wenig fehlen wie eine kleine Bar. Doch obwohl die Getränke darin von den Protagonisten ausgiebig genossen werden, stellt sich die dadurch beabsichtigte Lockerheit nicht ein, und das Vergnügen bleibt begrenzt.

Fritz Rémond Theater im Frankfurter Zoo: bis 17. Juni. www.fritzremond.de

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