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Freies Schauspiel Ensemble Wir Laien des Glücks

"Das Glück rast hinterher": Das Frankfurter Freie Schauspiel Ensemble begibt sich zum dritten Mal und erfolgreich auf die Spur eines flüchtigen Gefühls.

Wie planen wir unser Glück? Naja Marie Domsel, Mario LInder in "Das Glück rast hinterher". Foto: Felix J. Holland

Und warum nicht ein Esel namens Daniel? Und warum nicht fluchen und rumschreien, das macht „schon auch ein bisschen glücklich“ – kommt drauf an. Der eine ist ein „Riesenfan von Arbeit“. Die andere weiß es sehr zu schätzen, dass sie faul sein kann. Rühmt nicht schon Hölderlins Hyperion das süße Nichtstun in der noch süßeren Abgeschiedenheit: „Was kümmert mich der Schiffbruch der Welt, ich weiß von nichts, als meiner seligen Insel.“

Das Frankfurter Freie Schauspiel Ensemble beendet nun eine Trilogie „Über das Glück“ mit selbst recherchierten und bearbeiteten Texten. Nach Dea Lohers „Unschuld“, Teil I, und Ingrid Lausunds „Der Weg zum Glück“, jetzt „Das Glück rast hinterher“. Das sind in geschickter Abwechslung und Bandbreite zitierte Gespräche zum Thema – Gespräche mit Alten und Jungen, Männern und Frauen, Alteingesessenen und Zugewanderten. (Im Foyer kann man in die aufgezeichneten Originalinterviews hineinhören.) Dazu literarische Texte, Hölderlin, Ingeborg Bachmann, Orhan Pamuk unter anderen, und kleine Spielszenen: In diesen zwei Paare, die dann doch eher das Unglücklichsein entdecken.

Eine neutrale Leinwand bleibt der weiß ausgehangene Theaterraum im Titania, die Darsteller tragen Weiß bzw. Eierschalenfarbenes. Man ist schließlich der Allgemeingültigkeit des Glücksstrebens auf der Spur, mögen die Wünsche (ein Esel namens Daniel!) speziell sein. Erzähle einen glücklichen Moment, hieß die Frage zum Beispiel. Oder: wie fühlt sich das an, Glück? „Der Kopf wird heiß“, hat einer gesagt. „Das kommt aus dem Bauch heraus... so Zonggg“, die andere.

Nicht alle können es

Die fünf Schauspieler – Jürgen Beck-Rebholz, Michaela Conrad, Naja Marie Domsel, Bettina Kaminski, Mario Linder – lesen zunächst vom Blatt; man betont die Authentizität der Texte. Und gleitet dann ins Spiel und mit Orhan Pamuk (ein Auszug aus „Schnee“) auch in die literarische Verarbeitung.

Die Kehrseite aber gehört stets dazu, die schreckliche Unfähigkeit zum Glücklichsein. „Wie machen die das?“ fragt sich die Unglückliche angesichts der so offensichtlich Glücklichen. Ein ein bisschen doofes Häschen-Quintett mummelt, lispelt Anleitungen der Ratgeber-Literatur herunter (wusste nicht schon Gottfried Benn, dass zum Glücklichsein Dummheit gehört?). Und Spielzeugentchen treten in der „Glückauf-Arena in Duseldorf“ zum Grand Prix de la Vie an. Die Angst ist der große Favorit, noch vor Zweifel, Gier, Ehrgeiz. Zum Erstaunen der nach Art eines Sportreporters dauerplappernden Moderatorin (herrlich: Bettina Kaminski) gewinnt aber diesmal das Glück. Und es rennt weiter und weiter, aus dem Stadion hinaus.

Dieser runde Glück-Abend ist Reportage wie Poesiealbum, Kabarett wie Konversationsstück. Am Ende darf das Publikum mitklatschen beim Happiness-Song und wirkt ziemlich glücklich.

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