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Frankfurt Kalifornische Ödnis

Das Green-Day-Musical „American Idiot“ in der Batschkapp.

„American Idiot“
„American Idiot“, hier mit Paulina Plucinski, Claudio Gottschalk-Schmitt, Lena Weiss und Yvonne Braschke. Foto: Agnes Wiener / Niklas Wagner

Ausstattungsärmer geht es kaum. Zu Beginn treten die zehn jungen Sängerinnen und Sänger aus dem Zuschauerraum heraus auf, ihre Stühle nehmen sie mit auf die Bühne, wirbeln damit in einer schwungvoll-dynamischen Showchoreografie herum. Die Theaterstühle sollen, abgesehen von einer spiegelnden, szenenweise durchsichtigen Wand im Hintergrund, die einzigen Ausstattungsgegenstände sein an diesem Abend mit dem Musical „American Idiot“. Es geht auf das Erfolgsalbum der Neopunkband Green Day von 2004 zurück und wird in der Frankfurter Batschkapp zum ersten Mal in Deutschland gezeigt.

Die rührigen Jung-Musicalunternehmer von der Produktionsfirma Off-Musical Frankfurt wollen das „Contemporary Musical“ an verschiedene Orte in der Stadt holen. Sozialkritische Musicals ohne Happy-End-Garantie, die dem großen Business von Lloyd Webber & Co. zuwiderlaufen. In deutscher Sprache – bei der Premiere allerdings war von den Songs wenig zu verstehen. Da hätte man sich die Übersetzung sparen können, die im Übrigen, so weit zu erkennen, wohl zu sehr am Original klebt, anstatt sich als Nachschöpfung im Deutschen zu verstehen.

Es war nicht nötig, eine Handlung rund um die vertrauten Hits – einige stammen auch von anderen Alben – zu erfinden. „American Idiot“ ist als Konzeptalbum angelegt, Green-Day-Sänger und Songschreiber Billy Joe Armstrong hat auch am Plot des Musicals mitgewirkt. Die – autobiografisch motivierte – Story handelt vom Ausbruch dreier Jugendlicher aus der Ödnis einer kalifornischen Suburbia; nicht zuletzt der Bezüge auf die amerikanische Gesellschaft nach den Anschlägen vom 11. September 2001 wegen ist „American Idiot“ als Meisterwerk gefeiert worden. Mit „Sieg Heil!“ wird der „Fake News Präsident“ gegrüßt. Eine derartige Plattheit hätte man sich besser verkniffen.

Wer monumental große Stimmen erwartet, wird nicht auf seine Kosten kommen. Es gibt kleine Ungenauigkeiten. Das steht zwar in einer nicht unsympathischen Opposition zum klinischen Perfektionismus des großen Musicalsgeschäfts. Gerade der Gesang der Männer aber ist eher dünn, zumal auch im Vergleich mit der Originalstimme von Billy Joe Armstrong. Die Stimmen der Frauen tragen in der Summe weitaus besser.

Es spielt eine sechsköpfige Rockband samt Cello. Mit dem Punksound anno ’76 in London oder auch dem kalifornischen Punk hatten schon Green Day nichts zu tun. Rock meets Musical – das geht nicht zuletzt auch wegen der etlichen schon im Original elegisch angelegten Nummern musikalisch auf. Die Musiker spielen die Songs nach, als Coverband der weniger originellen Sorte.

Jubel bei der Premiere, nach anderthalb pausenlosen Stunden. Ein sympathisches Ensemble. Von einem großen Musicalabend der „kleinen“ Machart jedoch lässt sich nicht sprechen.

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