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„Ensel und Krete“ im Kellertheater Chaos im Buntbärenwald

Puppentheater für Erwachsene nach Walter Moers: „Ensel und Krete“ müssen sich im Kellertheater Frankfurt noch einspielen, witzig sind sie bereits.

23.11.2016 16:50
Katja Sturm

Wenn „Ensel und Krete“ sich im Wald verirren, dann wissen diejenigen, die sich schon einmal von Walter Moers nach Zamonien haben locken lassen, dass sie es nicht mit einer mangelhaft redigierten Fassung eines Grimm’schen Märchens zu tun haben. Vielmehr hat der Autor und vermeintliche Übersetzer der Geschichten über den phantastischen Kontinent und die dort lebenden Daseinsformen aus ähnlichen Zutaten seine eigene Fiktion geschaffen.

Diese, durchzogen von Gesellschaftskritik, hat er dem schriftstellernden Lindwurm Hildegunst von Mythenmetz untergeschoben. Mit „Abschweifungen“ schaltet der sich immer wieder ein, kommentiert und verändert die Handlung und sorgt damit für eine zweite Erzählebene. Schon allein wegen dieser Komplexität eignet sich die Märchenparodie nicht unbedingt für Kinder, und so läuft auch die Version, die jetzt im Frankfurter Kellertheater zu sehen ist, unter „Puppentheater für Erwachsene“.

Doch auch die Schauspieler, in schwarzer Kleidung und mit Kapuzen über dem Kopf hinter ihren liebevoll gestalteten Figuren stehend, hatten bei der Premiere mit dem Text zu kämpfen. Zwar hatte Antje Kania, zusammen mit Maren Luedecke verantwortliche Regisseurin der Produktion des puppup-Figurentheaters, vorher gewarnt, dass es holpern könnte, da es einen krankheitsbedingten Ausfall gab. Doch es schlichen sich einfach zu viele Hänger ein. Das riss immer wieder hinaus, sobald man im Buntbärenwald, durch den sich die titelgebenden Fhernhachen-Zwillinge abseits der erlaubten Wege schlugen, heimisch geworden war.

Ein Augenzwinkern ist immer dabei

Andere Unzulänglichkeiten, oft der nicht gerade einfachen Handhabung der Puppen geschuldet, oder das bewusst amateurhafte Bewegen brummender Insekten oder eines umgestürzten, hohlen Baumstamms auf der Bühne sorgten derweil für zusätzlichen Witz im ohnehin sehr humorvollen und stets von einem Augenzwinkern begleiteten Stück.

Der vermeintliche, an einen halb versteinerten Dinosaurier erinnernde Verfasser gab auf einer blassen Leinwand von oben herab seine Anmerkungen zum Besten. Oft fand er dabei kein schnelles Ende, sodass sich die Spielzeit über mehr als zwei Stunden hinzog. Das hätte sehr langatmig werden können, wäre nicht die im Chaos endende zweite Hälfte unterhaltsamer geraten als der etwas mühevolle Auftakt. Dafür sorgten besonders die schrill jammernde Orchidee und die herrlich anzuschauenden Sternenstauner mit ihren sich ständig öffnenden und schließenden Augen. Da ließ sich manch zwischenzeitliche Verirrung leicht verzeihen.

Kellertheater Frankfurt: 25., 26. November. www.kellertheater-frankfurt.de

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