Lade Inhalte...

English Theatre Frankfurt Manche mögen’s albern

„The Hound of the Baskervilles“ kommt im English Theatre Frankfurt als hinreißender, gewiefter Quatsch daher.

English Theatre
Da ist was im Busch: Watson und Holmes beobachten und kombinieren. Foto: Martin Kaufhold

Der Hund der Baskervilles“ nimmt seine überdurchschnittliche Grausligkeit aus der Verbindung von moorigem Areal und monströsem Tier, bei Nacht für den Menschen geradezu unerträglich. Zudem löst sich beides am Ende der Handlung nicht in Luft auf, auch wenn in der „Stimmt’s“-Rubrik der „Zeit“ einmal stand, dass man im Moor schwerlich versinke, eher auf ärgerliche Weise steckenbleibe. In der „Stimmt’s“-Rubrik der „Zeit“ stand allerdings auch einmal, dass es egal sei, ob man gekochte Eier abschrecke oder nicht. Das Moor ist jedenfalls Fakt, und auch der Hund ist Fakt. Allerdings handelt es sich um eine auf einen bestimmten Geruch ausgerichtete Töle, die erst mit Phosphor bestrichen und mit mächtig Hunger zum veritablen Geisterhund wird.

Arthur Conan Doyle, man sieht es schon, betrieb einigen technischen Aufwand, um seinen Lesern mit dieser nachgeschobenen, von einem Dartmoor-Aufenthalt inspirierten Sherlock-Holmes-Geschichte Angst einzujagen und der Auflösung des zunächst als Zeitungsroman konzipierten Knallers entgegenbibbern zu lassen. Im English Theatre Frankfurt bekommt nun auch einer der Schauspieler derartige Panikanfälle, dass zwischendurch eine Pause gemacht werden muss. In der Zwischenzeit hat ein Zuschauer etwas Gemeines über den Holmes-Darsteller getwittert, so dass zur Strafe noch mal alles von vorne gezeigt wird. Kein Grund, sich zu fürchten, ist weit schneller über die Bühne, als man aufhört zu lachen.

Die Bühnenadaption von Steven Canny und John Nicholson geht sorgfältig mit der Handlung des dutzendfach verfilmten Detektiv-Klassikers um und zieht sie doch permanent durch den Kakao. Aber liebevoll. Einigermaßen liebevoll. Die einschlägigen Motive – der verschwundene Schuh, der finstere Mann, die warnenden Billetts, die frappierende Familienähnlichkeit, der unkenntliche Holmes – tauchen auf, der Titelheld heult zum Gotterbarmen, die Nebelpuffmaschine läuft auf vollen Touren. Wenn es angemessen erscheint, sind außerdem Seifenblasen zur Hand. Seltsam. In der Situation leuchtet es einem jedoch ein. Einigermaßen ein.

Denn alles verschiebt sich hier um ein paar Meter ins Verrückte, Ironische, Alberne. Requisiten funktionieren nicht. Figuren fallen aus der Rolle und hadern mit sich, mit uns. Figuren fallen in die Rolle und schaffen es nicht, schnell genug die Perücke zu wechseln. Dazu kommt die Fantasie, mit der Regisseurin Lotte Wakeham, ihr Ausstatter David Woodhead und Sounddesigner Andy Graham zeigen, was sie nur wollen, obwohl sich nicht unheimlich viel auf der Bühne befindet. Räume, Orte, freie Natur, ein Schloss, eine Kutschenverfolgungsjagd, eine Zugfahrt, ein Gang durchs eben doch gefährliche Moor, ein von „Manche mögen’s heiß“ inspiriertes Liebesduett. Ein Pferd, das fast auf die Bühne trabt. Der Hund der Baskervilles, dessen Silhouette und glühende Augen man so gut wie sieht. Dazu kommen drei sagenhafte Witzbolde. Sie wissen um die Wichtigkeit, ernst zu sein, während die Zuschauer kichernd vom Sitz fallen, und sie halten sich daran.

Max Hutchinson heißt der Mann, der unter anderem den wie immer bornierten und leider zu Recht bornierten Sherlock Holmes spielt, aber auch eine größere, eine große Zahl weiterer Rollen. Simon Kane heißt der Mann, der stolz darauf ist, mehr Text zu haben, und als Doktor Watson einen sympathischen Tropf darstellt, aber auch eine größere, eine große Zahl weiterer Rollen übernimmt. Shaun Chambers heißt der Mann, der die diversen Baskervilles (tote und lebende) spielt, außerdem eine größere, eine große Zahl weiterer Rollen.

„The Hound of the Baskervilles“ behält in dieser erfrischenden Variante angesichts einer erheblichen sittlichen Unreife die Atmosphäre eines Studentenspaßes bei allerdings höchst professionalisierter Durchführung. Solche Abende werden im Theater nicht selten angeboten. Es klappt aber nicht immer, fast nie so gut. Schon gar nicht klingt es so gut.

Spannendist es außerdem auch, keine Bange. Wer kann sich schon merken, wie eine Sherlock-Holmes Geschichte ausgegangen ist.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum