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Diskussion der Intendanten Dreimal an den „Holländer“ glauben

Eine Runde mit den Rhein-Main-Intendanten Bernd Loebe, Uwe Eric Laufenberg, Karsten Wiegand, Markus Müller und, vom Mousonturm, Matthias Pees.

Die Frankfurter Oper hat die größte Drehbühne Europas. Foto: Christoph Boeckheler

Warum?“, fragte Bernd Loebe, Intendant der Frankfurter Oper, mit der Lässigkeit des Erfolgreichen zurück – und noch einmal „Warum?“ Das auf die wiederholte Frage des Moderators, FAZ-Redakteur Michael Hierholzer, ob die Theater des Rhein-Main-Gebiets besonders bei teuren Opernproduktionen nicht stärker zusammenarbeiten müssten. Hierholzer versuchte, den Advocatus Diaboli zu geben, er war an diesem vom Kulturfonds Frankfurt RheinMain organisierten Abend allerdings einer gegen vier (Intendanten): Loebe, Uwe Eric Laufenberg (Wiesbaden), Karsten Wiegand (Darmstadt), Markus Müller (Mainz). An der Seitenlinie gehörte noch Matthias Pees, Chef des Frankfurter Mousonturms, zur Diskussionsrunde im MMK.

An drei Fassungen von Richard Wagners „Fliegendem Holländer“ im Rhein-Main-Gebiet war die Frage festgemacht, zwei Neuinszenierungen, einer bereits im Repertoire. Aber die Intendanten wollten sich partout nicht nachsagen lassen, sich zu wenig abzusprechen – oder gar, Geld zu verschleudern. Man brauche „eine Vielfalt an jedem Standort“, führte Müller an und fand, dass „eine Region das aushalten kann“. Loebe nannte es „einen Reichtum“, drei Inszenierungen einer Oper sehen zu können. Und Laufenberg hatte bereits vorher darauf hingewiesen, dass ein erklecklicher Teil des Publikums „sehr an die einzelnen Häuser gebunden“ sei. Ein anderer Teil aber offenbar nicht: Der Mainzer Intendant Müller fand eine „Überlandverschickung von Produktionen nicht sinnvoll“, da die Menschen heute „so mobil“ seien.

Da der Kulturfonds der Zusammenarbeit in der „Rhein-Main-Metropolregion“ aufhelfen will, stand die Frage nach einer regionalen Identität im Vordergrund; was aber die Intendanten ganz offensichtlich nicht in erster Linie beschäftigt. „Jeder arbeitet für eine Sonderidentität seines Hauses“, so Loebe, der mehrfach formulierte, ein Intendant müsse das machen, „an was er glaubt“. Allerdings dürfe man auch „nicht ganz am Publikumsbedürfnis vorbei“ planen, so Loebe. Die Intendanten nutzten an diesem Abend zudem gern die Gelegenheiten, auf den guten Zuspruch zu ihrem Programm hinzuweisen.

Etwa auf den Erfolg des Hessischen Staatsballetts. Bei dieser Wiesbaden-Darmstädter Kooperation wollte aber wiederum der Mainzer Müller nicht mit-kooperieren, der zu Recht darauf hinwies, dass in Sachen Tanz „zwei Ensemble-Handschriften“ das Mindeste seien, was eine so große Region brauche. Tanzmainz bleibe daher sicher „eigenständig als kleines Geschwisterchen“. Nach seiner Beobachtung reist inzwischen zudem etwa die Hälfte des Tanzpublikums von anderswoher nach Mainz an.

Die Frage nach womöglich notwendigen künstlerischen Veränderungen, um das Publikum erstens nicht zu verlieren, zweitens stetig nachwachsen zu lassen, wurde ebenfalls eher frohgemut als inhaltlich beantwortet. Zu Schwarzmalerei, so formulierten es Loebe und Wiegand, bestehe kein Anlass. Der Darmstädter Wiegand fand auch, dass man nie genau wissen könne, „über welches Geheimnis jemand zur Oper, zum Theater kommt“. Und der Wiesbadener Kollege rief eine etwas vage „Kraft“ auf, die es brauche, um die Menschen zu erreichen. Eine Bühnenversion von „Star Wars“ hat trotzdem noch keines der Staatstheater auf dem Spielplan stehen.

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