Lade Inhalte...

"Die Frau, die weiß, was sie will" bei den Maifestspielen Geteilte Persönlichkeiten

„Die Frau, die weiß, was sie will“ als rasende Zwei-Personen-Operette mit den famosen Dagmar Manzel und Max Hopp bei den Maifestspielen in Wiesbaden.

Im Theatermilieu. Foto: Iko Freese/drama-berlin.de

Barrie Kosky, Regisseur und Intendant der Komischen Oper Berlin, erkannte in der fidelen, unsentimentalen, 1932 uraufgeführten Spätoperette „Eine Frau, die weiß, was sie will“ von Oscar Straus das Kammerspiel. Seine Vorstellung von einem solchen führte er 2015 auf das Fabelhafteste aus. Sämtliche Rollen der turbulenten Geschichte und noch einige mehr – Cecilia Bartoli, Waldorf und Statler, glaube ich, aber alles ist und bleibt völlig verrückt – spielen Dagmar Manzel und Max Hopp.

Schauspielerin und Schauspieler sprechen und singen mit Verstärkung, aber sie parodieren nicht das Wesen der Operette, sondern erfassen deren lebenszugewandten Zauber und zugleich ihre herrliche Wurschtigkeit in jeder auch musikalischen Facette. Manzels Arien als Sängerin Cavallini (die Frau, die weiß, was sie will) sind kein Quatsch, sondern glamourös. Adam Benzwi leitet das Orchester der Komischen Oper, spielt auch an einem der beiden Flügel, die Musik macht schwer was los und klingt dabei knusprig und schlank. Die Bühne, vor dem roten Vorhang des Großen Hauses aufgebaut, besteht aus einer Tür, die Kammerspiel und Komödien-Hinein-und-Hinaus ermöglicht.

Zu viert, zu siebt

Die Stimmung ist sofort weit oben beim Gastspiel bei den Maifestspielen in Wiesbaden. Es ist ja nicht nur so, dass Manzel und Hopp rasend flugs die Kostüme (von Katrin Kath) wechseln – die fleißigen Helferchen in Schwarz verbeugen sich nachher ebenfalls, völlig zu Recht –, jede Szene kommt auch als Kleinod daher. Mithilfe geteilter Garderoben („Batman“-mäßig) können statt zwei vier Rollen gleichzeitig übernommen werden. Mithilfe etlicher Blumensträuße sieben (Manzel 1, Hopp 6, einige der Verflossenen der Cavallini nämlich). Manchmal muss die Stimme reichen und reicht auch. Da die Handlung im Theatermilieu spielt, ist Gelegenheit für Selbstironie: freche Diva, serviler Theaterdirektor, wie gesagt auch die Bartoli persönlich, die diesmal chinesische Kanzonetten ausgegraben hat.

„Die Frau, die weiß, was sie will“ ist nicht bloß eine Frage des Elans. Ohne die darstellerische Perfektion von Dagmar Manzel und Max Hopp wäre das sinnlos. Wie immer braucht gerade der Unfug eine besonders gepflegte künstlerische Umsetzung.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum