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„Die Addams Family“ in Wiesbaden Knarrende Ahnen

„Die Addams Family“ wird mit dem Jungen Staatsmusical in Wiesbaden zum gruseligen Dauervergnügen.

28.09.2016 16:04
Katja Sturm
Addams-Familie mit Ahnen. Foto: Andreas Etter

Sie ist schon recht schräg, diese Addams Family. In einer verfallenen viktorianischen Villa mitten im New Yorker Central Park beheimatet, erfreut sie sich an all den Dingen, die anderen einen eisigen Schauer über den Rücken laufen lassen. Doch das ändert sich, als Wednesday, die sadistische Tochter des Hauses, sich verliebt: In einen spießig-langweiligen Normalo.

1938 erschuf der US-amerikanische Cartoonist Charles Addams die Ansammlung an Exzentrikern, die mit ihrem morbiden Humor später auch im Fernsehen und im Kino Erfolge feiern sollten. 2009 brachte Andrew Lippas den Gothic-Clan dann in einer Musical-Comedy unter, die nun in einer Inszenierung von Iris Limbarth im Kleinen Haus des Wiesbadener Staatstheaters zu sehen ist. Vor einer Kulisse irgendwo zwischen Horrorhaus und Friedhof (Bühne: Britta Lammers) entfaltet sich eine mitreißende Groteske, die sich nicht nur gesanglich auf hohem Niveau bewegt.

Gerade auch die Originalität der Kennern der Vorgeschichten nur allzu gut bekannten Charaktere wurde überzeugend herausgearbeitet. Da ist der heißblütige, sensible Latino-Vater Gomez (Tim Speckhardt), der seiner schönen, divenhaften Vampir-Gattin Morticia (wunderbar: Felicitas Geipel) die Heiratspläne der selbstbewussten Tochter (stimmlich herausragend: Maja Dickmann) verheimlicht und so deren Zorn auf sich zieht. Wednesdays kleiner Bruder Pugsley (Johannes Wieland) vermisst derweil schmerzlich die Folterungen, mit denen die Schwester ihn gerne quälte. Er versucht deshalb, das Liebesverhältnis mit einem Zaubermittel der vielleicht gar nicht zur Familie gehörenden Grandma (Lisa Krämer) zu zerstören.

Mönch schmachtet Mond an

Währenddessen schmachtet Onkel Fester, von Peter Emig grandios als dunkler Mönch mit molliger Statur und trotzdem beeindruckender Geschmeidigkeit dargestellt, den Mond an. Und die Eltern des blassen Auserwählten (Jo Atzinger), wandlungsfähig gespielt von Benjamin Geipel und Constanze Kochanek, enthüllen bei der Begegnung mit den potenziellen Anverwandten ungeahnte Seiten und Geheimnisse.

Meist im Hintergrund vor sich hin knarrend, aber bis in die kleinsten ruckenden Bewegungen liebevoll kreiert, macht Hausdiener Lurch (Mike Burs) das Grusel-Szenario perfekt. Umtanzt wird es von einer großen Gruppe von Ahnen mit ausladenden Perücken und in Rüschenkleidern (Choreografie: Myriam Lifka, Kostüme: Heike Korn), die zur Live-Musik der im Hintergrund spielenden Band unter der Leitung von Frank Bangert für zusätzlichen Schwung sorgen.

Bei so viel Leben unter den Untoten muss man aufpassen, dass einem die Finessen am Rande nicht entgehen: Das eiskalte Händchen, das zu Beginn des knapp zweieinhalbstündigen Abends mal über die Bretter trippelt, der sprechende Baum oder die fleischfressende Pflanze, die sich wohlig füttern lässt. Allein das riesige Monster unter Pugsleys Bett wirkt ein wenig zu aufgesetzt. Doch das schmälert nicht den Genuss dieses unheimlichen Dauervergnügens, das Limbarth und das Junge Staatsmusical da hervorgezaubert haben.

Staatstheater Wiesbaden: 30. September, 9., 23., 27. Oktober. www.staatstheater-wiesbaden.de

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