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Burgfestspiele Hauptsache Italien

„Maria, ihm schmeckt’s nicht“, ganz sommerlich in Bad Vilbel.

BUrgfestspiele
Das muss doch einfach schmecken. Foto: Eugen Sommer

Die Kinokomödie war das, was man gerne als Feel-Good-Movie bezeichnet. Jan will die schöne Sara heiraten. Zuvor muss er ihre Familie kennenlernen, eine Ansammlung verrückter Italiener, der eine oder andere „eine dumme Salat“, wie Antonio, der Schwiegervater in spe, sagen würde. Doch alle mit einem guten Herzen und dem Willen ausgestattet, dem hinzugewonnenen Sohn das schräge Leben in dem kleinen Örtchen Campobasso näher zu bringen.

„Maria, ihm schmeckt’s nicht“ von Jan Weiler galt schon als Roman als vergnüglicher Bestseller. Der Bühnenfassung von Dirk Böhling dient die stark gekürzte Handlung bei den Bad Vilbeler Burgfestspielen allerdings nur als Vorwand dafür, Ferienlaune und Sommergefühle südländischer Art zu versprühen. Vor allem im zweiten Teil wird nicht mehr viel erzählt, sondern getanzt und gesungen. Am liebsten auf Italo-Klassiker wie „Felicità“ und „Mambo Italiano“, aber auch zu „Help“ von den Beatles oder von Philipp Polzin passend arrangierten modernen Hits. Das durch den Chor Vil-belCanto unter Leitung von Benedikt Bach verstärkte Ensemble geht mit Begeisterung zu Werke. Elan und Schwung der Choreografien von Kerstin Ried übertragen sich schnell auf das Publikum, die Inbrunst der Vorträge lässt über stimmliche Schwächen hinwegsehen.

Die Hochzeit wird zur Nebensache. Dabei war sie der Ausgangspunkt. Thomas Zimmer als linkischer Bräutigam erzählt in den ersten Momenten der humorvollen Inszenierung von Regisseur Christian H. Voss, da man sich angesichts der einführenden Klänge aus der Mafia-Trilogie „Der Pate“ noch kurz im falschen Film wähnt, den Zuschauern von seinen Plänen. Seiner Braut (Julia-Elena Heinrich), Tochter einer spröden deutschen Mutter (Silke Dubilier), ist die Herkunft nicht anzumerken. Der Rest der Marcipane-Sippe, angeführt vom penetranten, aber gutmütigen Antonio (Volker Weidlich), spiegelt witzig all das wider, was der Tourist mit dem beliebten Urlaubsziel verbindet. Das fängt nicht nur Jans italophile Eltern Eberhard (gewohnt konservativ: Kai Möller) und Gisela (Susanne Rögner) schnell ein.

Unter bunten Lämpchen hat Claus Stump eine einfache, aber wandelbare Ausstattung zusammengestellt. Vor einem Stillleben mit Obst und toten Fischen mit Öffnungen für Fenster und Tür werden die einzelnen Elemente einer temporären Bühne je nach Bedarf hin und her geschoben und zu Betten, Tischen oder mittels Handspiegel und Lenkrad gar Autos arrangiert. Die provisorischen Lösungen sorgen für zusätzliches Amüsement. Die spärliche Dekoration und die aus dem dörflichen Leben gegriffenen Kostüme (Monika Seidl) verstärken den Eindruck einer für den Stiefel so typischen Szenerie.

Nur einmal wird’s inmitten des Trubels nachdenklich: als der ehemalige Gastarbeiter Antonio von seinen Anfängen in Deutschland erzählt. Die Ausländerfeindlichkeit, die er dabei erlebt, hat man im Stück belassen. Sie verleiht ihm noch mehr Emotionalität und Aktualität, ohne die positive Grundstimmung zu schwächen.

Burgfestspiele Bad Vilbel: Termine bis 9. September. www.kultur-bad-vilbel.de

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