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Burgfestspiele Bad Vilbel Sie sind, wer sie sind

Ein munteres „Käfig voller Narren“ in Bad Vilbels Wasserburg.

Erst die 70er Jahre oder vielleicht auch: schon die 70er Jahre waren bereit für eine Komödie, in denen zwei Männer – darunter ein Transvestit! – die besseren Eltern sind. 1978 kam der Film „La cage aux folles“ heraus, der „Käfig voller Narren“ ging um die westliche Welt. 1983 folgte das Musical von Jerry Herman und Harvey Fierstein. Als allzu harmlos und klischeebeladen wurde „La cage aux folles“ von Anfang an kritisiert, aber es ist doch ein Stück voller Schauwerte, Scherze und mit einigen bekannten Songs, so dass ein Freiluft-Festival keinen Fehler macht, wenn es die durchsichtige, aber muntere Geschichte ins Programm nimmt.

Für Bad Vilbels Burgbühne hat Pia Oertel einen hellblauen Riesenschuh erdacht: geschlossen ist er eine Showtreppe, aufgeklappt zwei Wohnraum-Seiten mit praktisch verstautem Mobiliar. Anja Müller, Kostüme, schwelgt in Glitzer und Federschmuck, in Heißen Höschen, Strapsen und Hochgeschlitztem. Acht sich blitzschnell umziehende, beherzt in Stöckelschuhen die Beine schmeißende, mit dem Po wackelnde junge Männer sind die Cagelles (Choreografie Myriam Lifka). Frauen spielen ja hier erst nach der Pause überhaupt ein paar kleine Rollen. Unter anderem weil, unerklärlicherweise, der Sohn von Georges heiraten will. Eine Frau! Wie kommt er nur auf solche Ideen.

„Ein Käfig voller Narren“ folgt dem Komödienschema aus Missgeschicken und -verständnissen, aus kühnen Plänen und ihrem Scheitern – aber dann wird dank dem mütterlich-skrupellosen Albin alias Zaza alles gut. Andrea Matthias Pagani ist ein feiner Komödiant (und wie er albert, wenn man ihn zwingt, ein Kerl zu sein), vor allem aber ein guter Sänger. Das berühmte „Ich bin was ich bin“ hat alle Ausdrucksnuancen zwischen Verletzlichkeit und Trotz.

Mit einigem Ehrgeiz vor allem bei der Besetzung geht Vilbels Intendant Claus-Günther Kunzmann Jahr für Jahr vor. Es zahlt sich erneut aus. Norbert Wendels Georges ist zwar nicht immer ganz intonationssicher und rettet sich in Sprechgesang, aber er ist stark an Charme, Schmäh und Ausstrahlung. Es würde einen wundern, wäre er nicht die Seele dieses Etablissements. Thorin Kuhn ist eine hübsche Zofe/ein hübscher Butler. Krisha Dalke und Janice Rudelsberger geben mit Spaß das megaverliebte Paar. Und verklemmte Leute, Kai Möller und Silke Dubilier als Dindons, gehen auf der Bühne sowieso immer gut.

 

Burgfestspiele Bad Vilbel: Termine bis 6. September. www.kultur-bad-vilbel.de

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