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Burgfestspiele Bad Vilbel Feuerwehr ist abgebrannt

Es ist Sommer, es ist Festspielzeit, und da kommen Komödien gerade recht: "Kalender Boys" lässt in Bad Vilbel aber auch keine einzige Gelegenheit zu einem Gag aus. Von Sylvia Staude

Wozu so ein Warnkegel doch nützlich sein kann. Foto: Joachim Storch

Im April des Jahres 1999 erschien in England ein Kalender, für dessen Bilder sich ganz normale Frauen zwischen 45 und 65 ausgezogen hatten, um Geld zu sammeln für die Leukämie-Forschung: Der Mann von einer von ihnen war an Leukämie gestorben. Anfang 2000 waren dann unglaubliche 88000 Kalender-Exemplare verkauft und 450000 Pfund hereingekommen für den guten Zweck. Ein paar Jahre später kam der Film "Calendar Girls" heraus, der die schöne wahre Geschichte kinotauglicher machte, indem er den einen und anderen Konflikt zwischen den Frauen hinzudichtete.

Keinen Toten, dafür sechs sich nach ehernen Komödiengesetzen furchtbar gschamig gebende Männer gibt es in "Kalender Boys" von Kay Kruppa und Frank Pinkus; ein Stück, das das Publikum in Bad Vilbels Wasserburg bei der Premiere in allerbeste Laune versetzte.

Ein Jux ist schon die Ausgangslage, wegen der die Sechs von der Freiwilligen Feuerwehr Geld sammeln müssen: Ihr Feuerwehrhaus ist ihnen abgebrannt. Wie schon vor drei Jahren einmal, aber da half der Bürgermeister noch aus. Diesmal kommt zum Spott ein fest geschlossener öffentlicher Geldhahn. Ein Quietscheentchen-Rennen wird da nicht reichen.

Kruppa/Pinkus lassen keine Gelegenheit zu einem Gag aus. Und Christian H. Voss, der die Regie von Ellen Schulz übernommen hat, lässt keine Chance aus für saftig-derbes und trotzdem jugendfreies Spiel: Feuerlöscher, Warnkegel, Grillschürze, ein ausgewachsenes Straßenschild lassen sich, wenn es zuletzt ans Fotografieren geht, strategisch platzieren. Und, na klar, mal gibt es Tom Jones´ "Sex Bomb"-Röhren, mal Bonnie Tylers Sehnsuchtsschrei nach einem potenten Helden: "I need a hero".

Einige der Kalender Boys kann man in Bad Vilbel zur Zeit auch als Schillersche Räuber sehen. In der Komödie müssen die insgesamt sieben Darsteller nun abdecken: Den sich naturgemäß am meisten sorgenden älteren Brandmeister (Heinz Harth), den sich nur leicht zierenden Hübschen (Dennis Laubenthal), den Bauchträger (Thomas Kornack) und den Schlacks (Cyrus Rahbar).

Dazu kommt der gutaussehende Brandmeisterssohn (Jan Käfer), der sich sofort in die junge Fotografin (Anna Eger) verguckt. Sowie der Kopf des Unternehmens: Jens Wachholz ist der sich im Internet ungemein schlau machende Ossi Silvio, den nichts so sehr grämt, wie dass er seit einer durchzechten Reeperbahn-Nacht ein Skorpion-Tattoo hat, obwohl er doch Sternzeichen Fische ist. Das ist an diesem warmen Vilbeler Abend einer von vielen Running Gags. Ein anderer, dass der Schlacks sich für "sportlich und drahtig" hält.

Es geht, wie auch nicht, um körperliche Defizite und ihre mögliche Behebung etwa durch eine Sellerie-Kur. Man trainiert Hindernislauf über Büromöbel und macht Anstalten, sich gegenseitig zu enthaaren. Da greift noch rechtzeitig die fesche Fotografin ein, um die beruhigende Botschaft zu verbreiten: Sie will die Männer, wie sie sind. Und im Besonderen will sie einen, den Brandmeisterssohn. Nach zwei Stunden netto ist das Happyend erreicht.

Burgfestspiele Bad Vilbel: bis 26. August. www.kultur-bad-vilbel.de

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