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Boris Vian Herzen brechen

Ein Boris-Vian-Abend des Ensembles Aimée Rose in der Frankfurter Protagon-Kulturhalle.

Einen ganzen Aufführungs-Zyklus widmet das Frankfurter Ensemble Aimée Rose, zu Gast in der Kulturhalle Protagon, dem französischen Autor, Chansonnier, Jazztrompeter, Schauspieler Boris Vian (1920-1959). Relativ häufig werden noch Abende mit Vian-Chansons gestaltet, seine anderen Texte spielen keine große Rolle mehr. Als unglücklich, wortreich und offenherzig Liebender wird der jung gestorbene Franzose vor allem wahrgenommen, so dass nach dem Abend „Genuss & Gegenteil“ nun „Verlass mich nicht“ folgte („Katz & Maus“, „Zorn & Zärtlichkeit“ sind andere Aufführungstitel).

Andrea Schnurr, Lea Walde, Thorsten Rekate, Alexandre Rudel und Boris Winter spielen alle Figuren; die freilich schemenhaft bleiben, bleiben müssen, da es vor allem um den Wechsel geht – eine verlässt ihn, die nächste kommt. Auch zwei Männer kommen zusammen, adoptieren eine 17-Jährige, der eine beginnt dann eine Liebelei mit ihr, verlässt seinen Partner. Die Herzen purzeln nur so, gebrochen. Meist ist es bei Vian der Mann, der leidet wie ein Hund. Bis er die nächste ins Bett kriegt.

Die Regie von Anne Hasselberg versucht es mit einem Augenzwinkern, mit Stilisierungen, Übertreibungen, mit ein wenig Schminke wie bei Indianern auf dem Kriegspfad, ein wenig Theaterblut (ein Unglücklicher ist vom Hausdach gesprungen, sein Kopf eine „rote Qualle“ auf dem Asphalt). Auch eine Maschinen-Frau spielt mit. Um ein großes Ledersofa gruppieren sich Paare, die bald nur noch Passanten sind. Gerade ist dem Mann (Vian?) kalt geworden ohne sein Herz, da wird die Rothaarige schon durch eine Blonde ersetzt. Oder die mit den gelben Augen durch einen „dünnen Luftgeist mit Holzkohlenaugen“. Es gibt leidenschaftliche Tage, es gibt Tage voll Selbstmitleid. C’est la vie.

Der 70-minütige Abend geht locker und nicht zu respektvoll mit Boris Vians Texten um. Das Ensemble ist feinen, poetischen Zeilen auf die Spur gekommen, entlarvt aber freilich auch einen Misogynisten, dessen ruppige Art, über Frauen zu schreiben („sie ist weich wie eine angefaulte Frucht“), einen Teil der Texte auch schlecht altern ließ.

 

Ensemble Aimée Rose in der Protagon-Kulturhalle, Frankfurt: Vian-Termine am 2., 3., 8., 10., 22., 23. September. www.aimee-rose.de

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