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Bockenheimer Depot Auf Welteroberungskurs

Die Dresden Frankfurt Dance Company berauscht im Bockenheimer Depot mit „New Creations“.

Bockenheimer Depot
David Leoidas Thiel und Anne Jung. Foto: Dominik Mentzos

Es gibt keine Zeit, sich hineinzufinden. Der neue Ballettabend der Dresden Frankfurt Dance Company überwältigt vom ersten Moment an mit einem Bewegungsrausch, der in seiner Mannigfaltigkeit kaum zu überblicken ist. Dabei sind es die Details, auf die es ankommt, wie sich die Körper miteinander verschlingen, aus dem Zusammengefügten mal ein Arm, mal ein Bein hinauswächst, um sich an anderer Stelle wieder einzugraben und so weitere Möglichkeiten für den Rest der Masse nach sich zu ziehen.  

Unter dem einfachen Titel „New Creations“ hat Jacopo Godani, der künstlerische Direktor des Ensembles, die beiden Choreografien zusammengefasst, die am Samstag im Bockenheimer Depot ihre Frankfurter Premiere feierten. 

Ihr verbindendes Thema ist die Eroberung der Raumes. Im Eröffnungsstück „Unit in Reaction“ ist es ein urbaner. Die Tänzerinnen und Tänzer, in dunkle Kapuzenpullis gehüllt, werden von den elektronischen, sich den Grenzen des Erträglichen nähernden, aber sie nie überschreitenden Klängen des Kollektivs „48 Nord“ angetrieben. Im Halbdunklen können sie ihr Spiel mit den Segmenten entfalten, sich zu zweit oder zu dritt aneinander reiben, umeinander wickeln und miteinander verschmelzen. 

Doch Leuchtstäbe, die von der Decke schweben, beschränken die Bewegungsfreiheit. Das Bild verändert sich, das eigentlich Unheimliche wird vom erhellenden Licht bedroht. Irgendwo im Hintergrund sinkt ein Mann zu Boden, ein einsamer, lyrischer Moment in dem gewaltigen, mitreißenden Fluss. 

Godani begnügt sich diesmal nicht damit, den Tanz für sich sprechen zu lassen. Gemeinsam mit dem Offenbacher Setdesigner Matthias Bringmann hat er einen Untergrund entworfen, der sich aufreißen lässt. Im ersten Part noch ganz behutsam, bauen sich die Darsteller Höhlen aus den schimmernden Bahnen, in denen sie sich wie Tiere verkriechen – Schutz vor der irritierenden Veränderung suchend und ängstlich wachsam aufkommenden Gefahren gegenüber. 

Nach der Pause, in „Al Di Là“, zu Deutsch „Jenseits“, wird daran angeknüpft. Der Boden verwandelt sich in Wasser. Aus Pfützen wird ein reißendes Meer, das die nun auf sechs Tänzer verkleinerte Gruppe zu verschlingen droht. Die Natur wehrt sich vehement dagegen, dass der Mensch ihr entkommen will. 

Zu Arnold Schönbergs „Verklärter Nacht“ wird eine Evolutionsgeschichte erzählt. Die ursprünglichen Wesen, die sich von Blumen und Gräsern bedeckt Ritualen widmen, machen sich auf in eine andere Zeit. Die Pflanzenkostüme, Godanis vielleicht einziger Fehltritt ins Kitschige an diesem einstündigen Abend, werfen sie ab, um in dank hautfarbener Stoffe geschickt angedeuteter Nacktheit die Welt zu erobern. 

Der Pfad dieser forschenden Adams und Evas, darunter die in einem ausdrucksstarken Pas de Deux vereinten Anne Jung und David Leonidas Thiel, führt über Versuch und Irrtum und mündet in einer Aufbruchsstimmung. Aus den tobenden Wellen ist ein riesiges weißes Kissen aufgeploppt. Wie ein Segel beschirmt es die nach hartem Kampf Gestrandeten, die sich als Gärtner sorgsam der Pflege der unterworfenen Natur widmen, und gibt ihnen doch keinen Halt. Eine humorvolle, zugleich poetische Szene, die noch einmal unterstreicht, dass Godani nicht nur im Bereich der Bewegung, sondern auch mit Licht und Material schöne Bilder zu komponieren vermag. 

www.dresdenfrankfurtdancecompany.com

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