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Berliner Volksbühne Verbitterte Kommunikationsinkompetenz-Festung

Auf der Facebook-Seite der Berliner Volksbühne gehen erstaunliche Sachen vor sich. Ist das Absicht oder Dummheit?

Volksbühne
Ein Grabkreuz fürs Räuberrad: Vor der Berliner Volksbühne im Sommer 2017. Foto: Imago

Es war jetzt Schlüsselübergabe: Das Team um Chris Dercon ist in die Berliner Volksbühne eingezogen. Und es wurde sogleich tätig! Die alten Volksbühnen-Accounts bei Facebook, Twitter und Instagram wurden schlicht übernommen, mitsamt sämtlicher Freunde und Follower. Das ist, möchte man meinen, nicht weiter ungewöhnlich. Aber im weiterhin tobenden Kulturkampf zwischen alter und neuer Volksbühne ist nichts gewöhnlich.

Denn wenn die Accounts nicht gehackt wurden, brauchte es für ihr Fortführen die Passwörter. Waren sie in einem der Dramaturgenbüros an die Wand gepinselt? Oder hat am Ende doch eine ordnungsgemäße Übergabe stattgefunden? Die Nutzer der Kanäle wittern dagegen mehrheitlich einen Akt feindlicher Übernahme. Den Eindruck kann man haben, ja. Klickt man nämlich bei Facebook auf den Button „Veranstaltungen“, werden die Ereignisse im letzten Castorf-Monat angezeigt, endend mit dem Sommerfest am 1. Juli.

Das wirkt, als wäre der Castorf-Abschied eine Dercon-Veranstaltung gewesen, als würde die neue Volksbühne die alte geradewegs fortführen. Beides ist falsch. Warum aber wird genau dieser Eindruck erweckt? Ist’s Dilettantismus? Ist es Ausweis eines frechen Etikettenschwindels? Die Dercon-Truppe hätte sich eigene Seiten einrichten können – was zu empfehlen gewesen wäre, angesichts der allseits aufgeheizten Stimmung. Sie ist jetzt noch aufgeheizter: Die Follower laufen in Scharen davon, die Kommentare ergeben, was man einen Shitstorm nennt.

Massagestudio oder christliche Splittergruppe?

Als Symbolbilder haben die Neu-Bewohner der Volksbühne bei Twitter und Facebook rote Flächen gewählt. Die erste Facebook-Botschaft verkündet dies: „Die Sinne schärfen. Sich ins Detail versenken. Das Gesamte vom kleinsten Teil denken. Lauschen. Flüstern. Klein werden. Raus aus dem Totalzusammenhang. Kommt zusammen!“ Der Unkundige wird das für einen Werbespruch halten. Es ließen sich damit bestenfalls die Serviceleistungen eines Massagestudios betiteln, auch für hochpreisige Produkte der Autobranche ist es passend. Noch besser sind diese Zeilen für christliche Splittergruppen geeignet.

Auf Twitter wiederum gibt es dies zu lesen: „Eine Stadt in der Stadt. Ein Ort der Träume und des Wartens. Es wohnt hier wieder die Utopie.“ Das wird die gelernten DDR-Bürger an den damaligen Partei-Duktus erinnern, andere dürfen sich an ihre einstigen Poesiealben-Einträge erinnert fühlen.

Die Online-Petition an die Adressen des Regierenden Bürgermeisters Michael Müller und des Berliner Kultursenators Klaus Lederer zu einer Neuverhandlung der Volksbühnen-Zukunft hat einstweilen übrigens gut 25.000 Unterzeichner gefunden. Die Social-Media-Strategie von Dercon & Co. hat ihre Zahl noch einmal sprunghaft ansteigen lassen. Falls es überhaupt eine Strategie gibt, verstärkt sie das Bild der jetzigen Volksbühne als trotzige, verbitterte Kommunikationsinkompetenz-Festung. Traurig!

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