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Berliner Volksbühne Berliner Senat und Polizei unterstützen Besetzer

Die Besetzung der Berliner Volksbühne ist eine kulturpolitische Bankrotterklärung. Ein Treffen zwischen Kultursenator Klaus Lederer (Linke), dem Volksbühnen-Intendanten Chris Dercon und den Besetzern verlief am Samstagabend ergebnislos.

Aktivisten
Ein Aktivist im Foyer der Volksbühne. Foto: dpa

Viele Inszenierungen an der alten Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz hatten ein Problem mit dem Aufhören. Noch ein Monolog und noch eine Wendung – es konnte vorkommen, dass die Drehbühne noch lange zirkulierte, während im Foyer bereits die Premierenparty abgehalten wurde.

Die Aktivisten, die am Freitagnachmittag mit allerlei Selbstgebasteltem in die ehrwürdige Theatertrutzburg in Berlin-Mitte eingezogen sind, hatten indes ein Problem mit dem Anfangen. Über Wochen gab es Gerüchte über die bevorstehende Besetzung. Es fanden zahlreiche Treffen mit Journalisten statt, alles hübsch konspirativ, insgeheim schien man sich bei allem Sinn fürs Theatralische doch der Sache bewusst zu sein, dass es sich letztlich auch um eine Form des gewaltsamen Hausfriedensbruchs handeln würde. Nun aber sind sie da, um ihrerseits die Sache mit dem Aufhören und Weitermachen durchzuspielen.

Stolzes Haus wird Eventbude

Kräftig unterstützt werden sie dabei vom Berliner Senat und auch der Polizei. An eine Räumung sei nicht gedacht, ein Treffen zwischen Kultursenator Klaus Lederer (Linke), dem Volksbühnen-Intendanten Chris Dercon und den Besetzern verlief am Samstagabend ergebnislos. Beinahe kleinlaut verwies Chris Dercon auf seine sicherheitspolitische Verantwortung als Hausherr. Falls die Besetzung bis zum heutigen Montag nicht beendet werde, müsse er den Probenbetrieb des Theaters einstellen.

Die erstaunliche Verständnisoffensive aller Beteiligten dürfen sich die selbst ernannten Volksbühnenretter schon jetzt auf ihre Widerstandsbanner schreiben. Da steht bereits eine ganze Menge. Weit davon entfernt, ästhetische Fragen nach Sprechtheater und der Zukunft des Ensembles aufzuwerfen, sehen die Besetzer ihren Einsatz vor allem als kritischen Beitrag zur Stadtentwicklung. Gegen Gentrifizierung, gegen soziale Ausgrenzung, gegen Abschiebungen, gegen bloßes Standortmarketing. Antirassistisch will man sein, feministisch auch – das volle Programm.

So unterhaltsam das Spektakel für nicht wenige auch sein mag, entpuppt sich die quälende Volksbühnenaffäre mehr und mehr als kulturpolitische Bankrotterklärung. Und so ist das stolze Haus zu dem geworden, was man unbedingt verhindern wollte: eine Eventbude.

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