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Ballet Philippines Unterm Krönchen

„Your Highness“, eine Choreografie von Eisa Jocson, erzählt ironisch von den Mühen, die Prinzessin oder den Prinzen zu tanzen.

„Your Highness“
Und immer schön die Form wahren. Szene aus „Your Highness“. Foto: Hiyas B. Bagabaldo

Die meisten Tänzer gehören, mögen sie sich auch noch so schinden, zum Prekariat. Hierzulande und anderswo. Als 2006 Disneyland Hongkong eröffnete, hat darum ein kleiner Exodus exzellent ausgebildeter philippinischer Tänzerinnen und Tänzer aus dortigen Ensembles eingesetzt, die dann in Disneyland singend und tanzend einen zwar läppischen, aber sicheren Job hatten. Auch das Ballet Philippines war und ist noch betroffen.

Mit drei Tänzerinnen und zwei Tänzern der Balletttruppe hat nun die manilische Choreografin Eisa Jocson ein ironisches, die Zuckrigkeit sozusagen auf die Spitze treibendes Stück geschaffen: „Your Highness“ beschäftigt sich mit den Prinzen- und Prinzessinnenrollen, die einerseits begehrt, andererseits das pure romantische Klischee sind – im klassischen Ballett und umso mehr in Disneyland. Gesten voller Niedlichkeits-, Unschulds- und Wohlerzogenheitsklischees reihen sich nun, Augenaufschläge, huldvoll oder demütig geneigte Köpfe. Und nichts geht ohne Lächeln.

Der Frankfurter Mousonturm ist Koproduzent von „Your Highness“, gezeigt wurde die gut einstündige Choreografie nun auf der größeren Bühne des LAB. Man beginnt mit einer Art Trainingssituation, die Tänzer benennen und zählen ihre Ballettpositionen und -schritte. Dann werden Wämser und Tutus angezogen, Glitzer und Tand aufgelegt, Krönchen aufgesetzt. Keiner fällt hier aus der Rolle, aber es wird doch so dick aufgetragen, dass man nicht mehr weit entfernt ist von blanker Parodie. Dabei bleibt Choreografin Jocson, was das Stück einerseits zu einem Spaß, andererseits ein wenig monochrom macht.

Die Tänzer (Gia Gequinto, Stephanie Cabral, Maila Habagat, Alexis Piel, Carlo Pagoda) sind hinreißend. Plappern („ich kenne Sie doch noch gar nicht!“), mimen, singen, springen, beherrschen den Spitzentanz wie die überbordende Koketterie. Sie personifizieren die perfekte, bonbonhafte Künstlichkeit. Sie wahren die Prinzen- und Prinzessinnenform, dafür hat man sie ja engagiert – und nicht fürs Sprechen: Darauf weisen sie selbst gegen Ende hin und kommen schließlich als gelenkige Fantasietierchen wieder, wie sie in jedem anständigen Märchenland auch gebraucht werden.

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