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Alte Oper Monumentale Teller, nützliche Schubladen

Die belebte Märchenwelt von „Die Schöne und das Biest“ in Frankfurts Alter Oper.

Schöne und Biest
Titelheldin und Titelheld als seltsames Paar. Foto: Stefan Malzkorn

Blitze zucken durch den Zuschauerraum. Die junge Belle hat ihre Liebe offenbart, und während mit allen Mitteln der Theaterkunst (Lichtdesign: Péter Somfai) ein eindrucksvolles Gewitter auf der Bühne der Alten Oper entfacht wird, verwandelt sich die Bestie in einen Prinzen.

Es ist kein Frevel, den Schluss eines Märchens zu verraten, das so bekannt ist wie „Die Schöne und das Biest“. Zumal von dem Geheimnis, das hinter dem verwunschenen Schloss und seinem Herrn steckt, gleich zu Beginn der Handlung erzählt wird. Vielen wird noch der Zeichentrickfilm aus dem Jahr 1991 vor Augen sein, in dem besonders das zu einem Dasein als lebendige Gegenstände verdammte Personal des in Vergessenheit geratenen Anwesens entzückte. Die Musik aus diesem, komponiert von dem dafür mit einem Oscar dekorierten US-Amerikaner Alan Menken, zerrte nicht, wie bei anderen Disney-Produktionen, an den Nerven, sondern klang lange in den Ohren nach. Sie wurde auch 1994 für die mehrfach ausgezeichnete Musical-Version nach einem Buch von Linda Woolverton verwendet, die im vergangenen Jahr mit Emma Watson in der Hauptrolle in die Kinos kam.

Was sich dank Tricktechnik auf der Leinwand problemlos darstellen lässt, wird auf der Bühne zur Herausforderung. Die Produktion des Budapester Operetten- und Musicaltheaters, die jetzt erneut in Frankfurt gastiert, meistert diese mit Kreativität und Sinn für Humor. Die Darsteller der Diener hat Erzsébet Túri in ausgefallene Kostüme gepackt; Leuchter Lumière (Ádám Bálint) kann seine Kerzen an- und ausknipsen, Madame de la Grand Bouche (Ildikó Nagy), eine als Kleiderschrank umherwandelnde Opernsängerin, weiß sich außer mit schrillen Tönen auch mit ihren Schubladen durchzusetzen. Aus der Dinnerszene zum Ohrenschmeichler „Sei hier Gast“ wird so mithilfe des zu monumentalen Tellern und steif agierendem Besteck mutierten Ensembles eine prächtige, von Éva Duda choreografierte Revuenummer.

Die einlullende Opulenz und die schönen Bilder des dreistündigen Abends täuschen nicht darüber hinweg, dass es in der Inszenierung von Regisseur György Böhm hakt. So mangelt es der Auftaktszene an Magie, weil die Mutter ihrem Sohn enttäuschend ausdruckslos von dem furchtbaren Fluch vorliest, der den Königssohn bannt. Die ungarischen Darsteller lassen es mit ihrem Akzent in den von Lutz Riedel ins Deutsche übersetzten Texten von Howard Ashmann und Tim Rice, aber auch stimmlich holpern. Zudem dauert es bei der Premiere lange, bis sich das Orchester unter Leitung von László Makláry mit den Sängern eingespielt hat und sie nicht übertönt.

Fantasievoll ist das Bühnenbild von István Rósza geraten, eine Mischung aus verschlungener Treppe und Brücke, das sich so geschickt drehen und wenden lässt, dass man meint, Belle (Kitti Jenes) und das Biest (Sándor Barkóczi) bewegten sich wirklich durch ein unheimliches und verwirrendes Haus. Anfangs folgt man da gerne, nach der Pause scheint der Gang kein Ende zu finden.

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