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Alte Oper Frankfurt Die „West Side Story“ altert nicht

Das Musical „West Side Story“, das wieder einmal in der Alten Oper Frankfurt gastiert, bleibt eng am Original.

West Side Story
Jet gegen Shark auf der Straße von New York. Foto: JOHAN PERSSON

Die einen fühlen sich als Amerikaner, sind aber für die anderen „Polacken“. Die anderen sind für die einen einfach nur Ausländer, die in Amerika im Allgemeinen und in „ihren“ New Yorker Straßen im Besonderen nichts zu suchen haben. Leonard Bernsteins und Stephen Sondheims „West Side Story“ könnte schon wieder und immer noch überall auf der Welt spielen. Ein bisschen seltsamer als früher klingt in diesen Tagen nur, wie leidenschaftlich die Puerto-Ricanerin Anita ihre neue Heimat besingt: „Life can be bright in America“. – „If you’re all white in America“, antworten da singend die offenbar realistischeren milchkaffeebraunen Jungs.

Wieder einmal gastiert eine „West Side Story“-Produktion in Frankfurts Alter Oper – aber auch abgesehen vom Stoff (Liebe! Fremdenfeindlichkeit!) ist das Musical erstaunlich alterslos. Das liegt nicht zuletzt an der zwar stilisierten, aber auch atmosphärisch passgenauen Choreografie von Jerome Robbins, an die zackigen Sprünge, das aggressiv-nervöse Fingerschnippen, die oft eckig ausfahrenden Arme. Robbins hat alles Fließende, Weiche weggelassen, die Tänzerinnen und Tänzer zeigen – und das nicht nur im übertragenen Sinn – Zähne.

Die Produktion, die jetzt wieder in Frankfurt zu sehen ist, bleibt eng am Original (es wird auch Englisch gesungen und gesprochen) und leistet sich ein recht großes, munter aufspielendes Orchester unter der Leitung von Donald Chan. Durchweg mit Elan und Präzision tanzt das Ensemble auf, die Rollen der „Erwachsenen“ sind sorgfältig besetzt mit Michael Scott als cool-zynischem Lt. Shrank und Kenn Christopher als Officer Krupke. Die Polizei steht im Krieg der Gangs irgendwie auf verlorenem Posten; auch das kennt man aktuell.

Bernsteins Musik ist so vertraut, dass mancher Zuschauer stumm die Lippen mitbewegte (auch mal eine Zuschauerin nicht stumm). Keely Beirne ist als Anita zu Resolut- wie Zartheit fähig, Jenna Burns eine glücksstrahlende und von Trauer gezeichnete Maria, Kevin Hack als Tony ein echter All-American-Boy.

Die beiden Liebenden haben ausgesprochen schöne, expressive Stimmen; Hack weiß seine nuancierter einzusetzen als seine Mimik – als Schauspieler ist er ein wenig steif. Aber das ist eine Kleinigkeit in einer mehr als soliden, auch im Detail ansprechenden Aufführung.

 

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