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Alte Oper Carmen mit Jazztimbre und Salsa

Die Musicaladaption „Carmen la Cubana“ heizt in Frankfurt mit karibischen Rhythmen ein.

Liebe, Eifersucht, Verrat. Die schöne Carmen bricht der Reihe nach die Männerherzen und muss am Ende mit ihrem Leben dafür zahlen. Freiheit geht ihr über alles, der Illusion der Liebe gibt sie sich nicht hin. Der Franzose Prosper Mérimée schuf diese provokante Frauenfigur im Jahre 1847 in seiner gleichnamigen Novelle, und zwanzig Jahre später vertonte Georges Bizet sie als Oper auf Französisch und sorgte damit für Furore und bei manch einem, ob der „fremden“ Thematik, für Missstimmung. Der Erfolg stellte sich erst nach seinem Tod ein, und heute zählt Carmen zu den meistgespielten Musiktheaterstücken der Welt.

In der nun in der Alten Oper Frankfurt gezeigten Adaption „Carmen la Cubana“ darf Carmen endlich auf Spanisch singen und damit ihren Wurzeln ein Stück näher kommen. Die Oper hat sie weitestgehend verlassen, und so heizt sie nun, als Musical konzipiert, mit feurigem Samba, Rumba, Salsa, Cha-Cha-Cha oder Mambo dem Publikum und ihren Männern ein. Das ist fabelhaft gelungen und verleiht dem Stück ganz speziellen Charme.

Der aus Kuba stammende Broadway-Regisseur Alex Lacamoire hat die Originalkomposition Bizets neuinterpretiert und die bekannten Opernmelodien wie die „Habanera“ oder das „Torero-Lied“ mit karibischen Rhythmen und einer 14-köpfigen Latin-Big-Band vereint. Hinzu kommt ein spektakuläres Tanzensemble. Das ergibt eine mitreißende Inszenierung, die die Lust zum Tanzen weckt. Kubanische Rhythmusinstrumente wie Congas, Marcas und Timbales finden ihre Ergänzung in Posaunen und Trompeten. Die Melodien und Harmonien sind ins Musicalhafte gewendet, wodurch neue Stücke entstanden. Beeindruckend ist insbesondere die Stimmgewalt der Carmen, gespielt von Luna Manzares Nardo. Nardo singt die Carmen mit Jazztimbre.

Statt in Spanien spielt die Geschichte auf Kuba zur Zeit der Revolution. Carmen fristet ihr Dasein als Zigarrenfabrikarbeiterin in Santiago de Cuba. Die Soldaten Batistas haben sich in der Fabrik eingenistet, unter ihnen José, gespielt von Saeed Mohamed Valdés, der gesanglich im klassischen Opernton bleibt, ebenso wie seine Freundin Marilù, „um nach wie vor die Gegensätze zu der Figur der Carmen hervorzuheben“, so Lacamoire.

Zwischen Santería-Zeremonien und dem Aufbruch zur Revolution begibt sich Carmen in die Arme des gefeierten Boxers El Niño (Joaquín García Mejías), der im Salsa-Stil singt, nach Havanna. Die Karten, die La Señora, brillant interpretiert von Albita Rodriguez, für Carmen legt, besiegeln ihr aller Schicksal.

Diese Carmen ist sexy, heiß und feurig und versprüht ihr Temperament gnadenlos. Tänzerinnen und Tänzer fegen akrobatisch durch die Bühnenlüfte, und da sie wie alle Beteiligten aus Kuba stammen, wirkt die Inszenierung absolut authentisch. Der Musicalcharakter wird unterstrichen, indem es an vielen Stellen unterhaltsam und ulkig wird, aber immer so, dass es ins Gesamtgeschehen passt. Es ist nichts an diesem Stück, was das Gefühl vermitteln würde, dass das aber nicht hätte sein müssen. Im Gegenteil: Wäre es nicht anders schon bekannt, wäre die Welt von Carmen genau diese.

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