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Technologie „Evolution wird technologisch sein, nicht mehr biologisch“

Eines Tages werden die Menschen Computerchips im Gehirn haben, davon ist der Neurochirurg und Romanautor Eric Leuthardt überzeugt. Ein Gespräch über Himalaya-Reisen auf der Couch, Lösungen für den Klimawandel und die Gefahren des Brain Hacking.

Brain-Computer Interface Race
Ein Wettkampfteilnehmer versucht 2016 über eine Gehirn-Computer-Schnittstelle seinen Avatar zu kontrollieren. Foto: Reuters

Es gibt eine Kehrseite, die Sie in Ihren Büchern beschreiben. Da werden Menschen wegen eines Fehlers in ihrem Gehirn-Computer-System zu Mördern.
Jede Technologie hat gute und schlechte Seiten. Mit der Atomenergie zum Beispiel kann man grenzenlose Mengen an Energie erzeugen, aber man kann auch Atombomben bauen. Die Neuro-Technologie hat großen Vorteile, aber sie kann auch missbraucht werden. Brain Hacking, wie ich es in „Red Devil 4“ beschrieben habe, ist absolut möglich.

Bringen Sie Ihre eigenen Ideen so nicht in Misskredit?
Ich schreibe über diese Dinge, damit man jetzt schon darüber nachdenkt. Ich denke, der Futurist, der Mensch, der über die Zukunft nachdenkt, ist wichtiger denn je, weil sich die Dinge so schnell ändern. Je mehr wir uns auf die möglichen negativen Aspekte der Veränderungen vorbereiten, desto eher können wir sie verhindern. Und diese Technologien kommen, ob wir es wollen oder nicht.

Sie haben erwähnt, dass die neue Technologie den Verlauf der Evolution ändern wird. Wie meinen Sie das?
Evolution wurde bisher durch Selektion und Genetik angetrieben, und durch äußere Kräfte, zum Beispiel Klimaveränderungen. Jetzt kontrollieren wir unser Schicksal. Wenn wir unser Gehirn mit Computern verbinden, wird die Evolution nicht mehr biologisch sein, sondern technologisch. Die Informationen in unserem Gehirn sind dann vielleicht wichtiger als die physischen Bestandteile unseres Körpers. Wie in meinem Roman „Limbo“ kann man vielleicht seinen Geist auf einen Computer laden und somit außerhalb seines Körpers leben.

Nicht jeder wird sich einen Chip leisten können. Wird Evolution dann zu einer finanziellen Frage?
Diese Situation existiert bereits beim Zugang zum Internet. Nicht alle haben ihn gleichermaßen. Trotzdem ist die Welt durch das Internet besser geworden, sei es bei der Behandlung von Krebs oder bei anderen medizinischen Problemen oder bei der Unterstützung benachteiligter Menschen. Ein Beispiel sind Mikrokredite durch Mobiltelefone, die das Leben der Menschen in Subsahara dramatisch verändert haben. Zurück zum Gehirn-Computer-Interface: menschliche Intelligenz, unsere Fähigkeit, Probleme zu lösen, ist die wichtigste Ressource, die wir haben. Wenn wir diese Fähigkeit steigern können, überwiegt das die Nachteile bei weitem.

Interview: Susanne Lenz

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