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Marke Bär Experiment

Heute in der Berlinale-Kolumne „Marke Bär“: Der Film, der acht Stunden und zwei Minuten dauerte. Was könnte in der Zwischenzeit alles passiert sein? Ist der Flughafen fertig? Ist das noch diese Berlinale oder schon die nächste?

18.02.2016 18:18
Von Frank Junghänel
Darstellerin Bianca Balbuena mit Dieter Kosslick, noch deutlich bevor der Acht-Stunden-Film "A Lullaby to the Sorrowful Mystery" angefangen hat. Foto: dpa

Als ich mich an diesem Morgen zur Berlinale begab, musste ich mal kurz über die Vielgestaltigkeit des internationalen Filmschaffens nachdenken. An der U-Bahnstation war mein Blick auf das Plakat zu „Zoolander 2“ gefallen. So heißt das neue Werk mit Ben Stiller und Owen Wilson, in dem die beiden Knalltüten die Welt retten.

Ich mag Ben Stiller, er war sogar schon mal bei der Berlinale zu Gast, als dort noch offen gelacht werden durfte. Wehmütig ließ ich die Gedanken an ihn fahren und sah ein bisschen angespannt dem philippinischen Langzeitexperiment entgegen: Acht Stunden und zwei Minuten. Wobei ich als Regisseur versucht hätte, die Laufzeit nach unten abzurunden. Zwei Minuten wären drin gewesen, soviel kann ich schon verraten.

In acht Stunden könnte man bis zu den Philippinen fliegen. Das müssen sich viele der Besucher so ausgerechnet haben, als sie mit Thrombosestrümpfen, Halskrause und Knabberzeug im Kino Platz nahmen, das für diese Mission auf angenehme einstellige Temperaturen heruntergekühlt worden war. Dann ging es los, und zu meiner Verblüffung drängelte sich bereits nach fünf Minuten der erste Besucher durch die Reihen ins Freie. War der im falschen Film? Seltsam.

Vielleicht handelte es sich aber auch um einen dieser berlinaletypischen Filmehopper. Die organisieren sich zehn Tickets für einen Tag und klappern sich durchs Programm. In den nächsten Stunden verließen noch etliche Gäste den Saal, wobei im Wesentlichen drei Exitstrategien zu beobachten waren. Es gibt die Hochmütigen, die jedem zeigen, was sie von all dem halten, es gibt die Huscher, die schuldbewusst und tief gebeugt rausschleichen und es gibt die Flüchter, die davonrennen, als würde das Kino brennen.

Ich bin zum Glück geblieben, und am Ende lösten sich Zeit und Raum auf wunderbare Weise auf. Ist es draußen dunkel? Oder hell? Ist das noch diese Berlinale oder schon die nächste? Hat Angela Merkel es geschafft? Ist der Flughafen fertig? Fragen, die man sich stellen kann, die aber jede Bedeutung verloren haben. Nach vier Stunden und zwanzig Minuten friert das Bild auf der Leinwand ein. Pause. Die Leute verlassen stumm den Saal.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Berlinale
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