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Marke Bär Die tote Oma im Garten

Heute in der Berlinale-Kolumne „Marke Bär“: Wie schafft man die Kurve von der Todesstrafe über die Fortpflanzung zum Heimathafen? Und wohin mit den lieben Kleinen?

17.02.2016 16:36
Von Frank Junghänel
Immer wieder tappt der Berlinale-Besucher auch im Dunkeln. Foto: REUTERS

Diesmal lief gleich morgens ein Film über Computerviren. Filme über Computer interessieren mich nicht, da können sie noch so gut gemacht sein. Wenn ich bei der Arbeit ein Computerproblem habe, gehe ich nicht ins Kino, sondern rufe die 5400 an. Die regeln das.

Also habe ich ein bisschen im Programm geblättert und geguckt, was sonst so läuft. Dabei bin ich auf das Grußwort des Panorama-Chefs gestoßen. Er schreibt: „Menschen sind eine gefährliche Spezies. Todesstrafe. Während drei Filme im Programm dieses Thema angehen, sind es viele Werke, die sich fragen, wie wir Fortpflanzung und Familienstruktur in Zeiten der Verunsicherung gestalten wollen: eine Sicht auf den Zeitgeist, die sich in ebenfalls vielen Werken niederschlägt, in denen es um Rückkehr geht – Rückkehr in eine Art Heimathafen – wenn auch nicht ganz der Emanzipation müde, wegen der jener Ur-Ort einmal verlassen wurde.“

Puh. Wie er hier semantisch den Bogen von der Todesstrafe über die Fortpflanzung zum Heimathafen schlägt, Respekt! Aber ich glaube das Panorama ist nichts für mich. Nicht um diese Uhrzeit.

Also habe ich mich beim Kinderprogramm umgetan. Die Inhaltsbeschreibungen klingen durchaus interessant. „Kurzfristig auf sich allein gestellt, müssen sich Linh und ihre kleine Schwester selbst versorgen.“ Oder: „In einer Zeit, in der sie sich ganz allein um ihren vollständig gelähmten Bruder kümmern muss, macht die 17-jährige Florence ihre ersten sexuellen Erfahrungen.“ Oder: „Seit der achtjährige Kuttappayi seine Eltern verloren hat, kümmert sich sein Großvater um ihn.“

Oder: „Unglücklich, hässlich und wahrscheinlich frigide – die 13-jährige Aurore ist genervt.“ Bezaubernd fand ich auch folgende Notiz: „Um nicht ins Waisenhaus zu kommen, verheimlichen die 17-jährige Raya und ihr kleiner Bruder den Tod ihrer Großmutter und vergraben ihre Leiche im Garten.“

Falls Sie, liebe Leserinnen und Leser, im Umfeld der Berlinale auf schluchzende Kinder stoßen, die damit rechnen müssen, in Kürze ins Waisenhaus einzuziehen, kaufen Sie ihnen einfach eine Karte für „Bibi und Tina“.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Berlinale
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