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Berlinale Italienische Flüchtlings-Doku holt Goldenen Bären

Achtzehn Filme im Wettbewerb, acht erhalten einen Preis: Die Berlinale-Jury streut ihre Anerkennung breit. Doch das Flüchtlingselend nimmt sie besonders in den Blick.

20.02.2016 20:03
Regisseur Gianfranco Rosi erhält für seine Doku den Goldenen Bären. Foto: REUTERS

Der italienische Flüchtlingsfilm «Fuocoammare» von Gianfranco Rosi hat bei der Berlinale den Goldenen Bären gewonnen. Erstmals seit vielen Jahren ging die wichtigste Trophäe damit am Samstag an einen Dokumentarfilm. Der einzige deutsche Beitrag im Wettbewerb, das Abtreibungsdrama «24 Wochen», ging bei der von Oscar-Preisträgerin Meryl Streep geführten Jury leer aus.

In «Fuocoammare» (deutsch: Feuer auf See) erzählt der 54 Jahre alte Regisseur in teils schonungslosen Bildern vom Flüchtlingselend auf der Insel Lampedusa. Zuletzt hatte Italien 2012 einen Goldenen Bären erhalten. Zur Berlinale waren in diesem Jahr bewusst viele Filme eingeladen, die sich mit aktuellen Themen auseinandersetzen, bei dem Festival wurde für Flüchtlinge gesammelt.

Als beste Darstellerin konnte sich die bekannte dänische Schauspielerin Trine Dyrholm (43) über einen silbernen Bären freuen. Sie spielt in Thomas Vinterbergs Film «Die Kommune» (original: «Kollektivet») eine Frau, die der Langeweile ihrer Ehe durch Gründung einer Kommune entkommen will.

Bester Darsteller wurde der Tunesier Majd Mastoura in der Emanzipationsgeschichte «Hedi» (original: «Inhebbek Hedi»). Dafür musste etwa das grandiose Schauspielerduo Jude Law und Colin Firth aus dem Literaturdrama «Genius» (Michael Grandage) auf eine Auszeichnung verzichten. Auch Regie-Altmeister André Téchiné und seine tollen Schauspieler gingen mit der Coming-Out-Story «Mit 17» (original: «Quand on a 17 ans») leer aus.

Den Großen Preis der Jury erhielt der bosnische Regisseur Danis Tanovic für «Tod in Sarajevo» (original: «Smrt u Sarajevu»). Für die beste Regie wurde die erst 35-jährige Französin Mia Hansen-Løve mit ihrem Film «Die Zukunft» (original: «L'avenir») ausgezeichnet, in dem Isabelle Huppert eine kühle Philosophiedozentin spielt.

Der Kameramann Mark Lee Ping-Bing bekam die Auszeichnung für die beste künstlerische Arbeit in dem poetischen Flussmovie «Gegenströmung» (original: «Chang Jiang Tu»). Für das beste Drehbuch wurde der Pole Tomasz Wasilewski geehrt, der in seinem Film «Vereinigte Staaten der Liebe» (original: «Zjednoczone Stany Milosci») auch Regie führte.

Für den Acht-Stunden-Film «A Lullaby to the Sorrowful Mystery» (übersetzt etwa: Ein Wiegenlied für das schmerzhafte Geheimnis) des Philippinen Lav Diaz gab es den Alfred-Bauer-Preis für innovative Filmkunst. Jury-Präsidentin Streep sagte nach dem Wettbewerbsmarathon: «Wir sind beschwingt und energiegeladen angesichts all der tollen Filme, die wir gesehen haben.»

Insgesamt waren bei der 66. Auflage der Berliner Festspiele mehr als 400 Filme und reichlich Stars zu sehen, allen voran US-Beau George Clooney. Schon vor Tagen waren über 300 000 Karten verkauft. Am Sonntag geht die Berlinale mit einem Publikumstag zu Ende. Im Vorjahr hatte der iranische Film «Taxi» von Jafar Panahi den Goldenen Bären gewonnen. (dpa)

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Berlinale
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