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Benjamin Heisenbergs "Der Räuber" Was für ein Juwel von einem Film

In "Der Räuber" hat Benjamin Heisenberg seinen einzigartigen Stil,noch einmal verfeinern können. Die wahre Geschichte eines Leistungssportlers, der Banken ausraubt. Von Daniel Kothenschulte

Benjamin Heisenberg hat bei der Berlinale seinen neuen Film "Der Räuber" gezeigt. Foto: dpa

Eine Quizfrage: Wenn der Österreicher Michael Haneke in Deutschland einen Film über ein deutsches Thema dreht, was kommt dabei heraus? Richtig, ein deutscher Film, da ist sich unsere Branche inzwischen einig, auch wenn die Goldene Palme für "Das weiße Band" offiziell nach Österreich ging. Und wenn der Berliner Filmemacher Benjamin Heisenberg in Österreich einen authentischen Wiener Kriminalfall verfilmt, was kommt dabei heraus?

Natürlich auch ein deutscher Film, der erste offizielle Beitrag zum Berlinale-Wettbewerb. Den allgemeinen Überschwang nationaler Vereinnahmung trieb Staatsminister Bernd Neumann zuletzt sogar soweit, für den deutschen Film im vergangenen Kinojahr einen Marktanteil von 27 Prozent auszurechnen - was nur geht, wenn man Hollywoodproduktionen mit deutscher Förderung wie "Der Vorleser" und "In-glorious Basterds" mitzählt.

Für die Welt aber ist "Der Räuber", bei seiner Premiere am Montag Nachmittag enthusiastisch gefeiert, vor allem ein Berliner Film. Gehört doch Regisseur Benjamin Heisenberg zu den bedeutendsten Vertretern der "Berliner Schule". Fünf Jahre sind vergangen seit seinem letzten Spielfilm "Schläfer", der am Beispiel eines unter Islamismusverdacht gestellten Ausländers eine gleichermaßen reale wie poetisch umformte Vision der Überwachungsgesellschaft zeichnete.

Diesen einzigartigen Stil, der ganz und gar sein eigener ist, hat er nun noch einmal verfeinern können. "Der Räuber" behandelt die wahre Geschichte eines Leistungssportlers, der seine überragenden Lauftalente nutzt, um Banken auszurauben. Oder vielleicht eher Banken ausraubt, um dem Laufen einen Sinn zu geben. Heisenberg überträgt diese bezwingende Interpretation der wahren Begebenheit aus der Romanvorlage von Martin Prinz in Bewegtbilder von mitreißender Emphase. Der vor allem aus Fernsehkrimis bekannte Andreas Lust spielt mit nahezu unbewegtem Gesicht die Rolle seines Lebens, einen Ausbrecher im wahrsten Wortsinn, der allen zivilisatorischen Ehrgeiz abgelegt hat. Und der gleichwohl auch kein Wilder ist in seinem Freiheitsdrang.

Wie in seinen früheren Filmen findet Heisenberg Gelegenheiten, über seinen bedächtigen Realismus Momente einer romantischen Märchenhaftigkeit zu legen, die eine wahre Gänsehaut erzeugen: Etwa wenn die Taschenlampen des Polizeisuchtrupps von weitem aussehen wie eine nächtliche Prozession. Was für ein Juwel von einem Film. Falls Jurypräsident Werner Herzog dafür keinen Goldenen Bären herausrückt, könnte dies nur heißen, dass Heisenberg mit seiner Geschichte Herzogs eigenen Außenseiterporträts Konkurrenz gemacht hat.

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