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Sozialdemokratie Wie die Erneuerung der SPD gelingt

Eine gründliche Erneuerung der SPD gelingt nur dann, wenn Sozialdemokraten lernen, die Zwecke wieder höher zu schätzen als die Mittel. Ein Gastbeitrag von Johano Strasser, Mitglied der SPD-Grundwerte-Kommission.

SPD
Der Aufruf zur Einigkeit reichte nicht für eine Koalition innerhalb der Partei: Die SPD vor elf Jahren mit Franz Müntefering, Ulla Schmidt, Hubertus Heil und Kurt Beck (v.l.n.r.). Foto: rtr

Neue Arbeitswelt im digitalen Zeitalter

Was würde der hier geforderte Perspektivwechsel zum Beispiel für die Zukunft der Arbeit bedeuten? Nach der Logik der wissenschaftlich-technischen Entwicklung unserer modernen Gesellschaft ist als nahezu sicher anzunehmen, dass auf längere Sicht – jedenfalls im Marktsektor – alle Arbeiten automatisiert werden, in denen die Arbeitsvollzüge vollständig definiert und berechnet werden können. Da dieser Prozess in aller Regel mit einer erheblich effizienteren Nutzung von Stoffen und Energie einhergeht, ist er auch unter ökologischem Gesichtspunkt zu begrüßen. Er betrifft, wie wir schon heute beobachten können, fast alle Bereiche der Güterproduktion, das ganze Feld des Gütertransports und der Logistik, Prüf- und Messvorgänge, ein Großteil der Büroarbeit und vieles mehr. Das heißt allerdings nicht, wie Jeremy Rifkin noch in den neunziger Jahren glaubte, prognostizieren zu können, dass damit der Arbeitsgesellschaft die Arbeit ausginge. Das heißt auch nicht, dass eine gigantische Arbeitslosigkeit nur vermieden werden kann, wenn die Nachfrage nach Konsumgütern immer weiter überproportional steigt.

Denn übrig bleibt als von Menschen zu verrichtende Arbeit auf jeden Fall das, was nicht automatisiert werden kann: leitende und beratende Tätigkeiten in Wirtschaft und Verwaltung, Marketing und Werbung, Wissenschaft und Forschung, die gesamte künstlerische Produktion, ein Teil der handwerklichen und bäuerlichen Arbeiten, Erfinden, Planen, Entwickeln, Programmieren, das ganze ausgedehnte und bunte Feld der personenbezogenen Dienstleistungen: kommunizieren, motivieren, Lernprozesse organisieren, unterhalten, mit Menschen umgehen, sich kümmern, trösten, pflegen – alles das, was Maschinen nun einmal nicht können, weil darin – in unterschiedlichen Graden – das Moment der menschlichen Freiheit zur Geltung gelangt.

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