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Saarland-Tatort Abschied auf Raten

Trotz Sommerpause gibt es Neues vom Tatort. Der saarländische Ermittler Devid Striesow quittiert den Dienst.

Devid Striesow
Schauspieler Devid Striesow. Foto: Tobias Hase (dpa)

Beim „Tatort“ ziehen sich die Abschiede immer lange hin. Da kommt eine Meldung, ein Schauspieler wolle aus seiner Rolle als Kommissar schlüpfen, aber dann ist er noch ein paar Mal zu sehen. Nun beendet der Schauspieler Devid Striesow seinen Dienst beim „Tatort“ des Saarländischen Rundfunks (SR), doch agiert er als Kommissar Jens Stellbrink noch am Neujahrstag 2018 und noch einmal im Jahr 2019. Vielleicht werden wir ihn dann doch noch vermissen. Aber eigentlich ist die Verkündung seines Abschieds eine gute Nachricht.

Devid Striesow, Jahrgang 1973, der am Theater angefangen hat, ist heute einer der meistbeschäftigen deutschen Film- und Fernsehschauspieler. Regisseure wie Hans-Christian Schmid („Lichter“), Christian Petzold („Yella“), Nicolette Krebitz („Das Herz ist ein dunkler Wald“) und Johannes Naber („Zeit der Kannibalen“) forderten ihn heraus, einprägsame Figuren zu spielen. Als „Tatort“-Kommissar hat Striesow jedoch einen schwächeren Eindruck hinterlassen als die meisten Kollegen. Wotan Wilke Möhring etwa, der zur gleichen Zeit in Hamburg begann wie Striesow in Saarbrücken, im Frühjahr 2013, oder Jörg Hartmann, der in Dortmund anderthalb Jahre später startete, hatten beide sofort ein eigenes Profil. Und Nina Kunzendorf agierte in Frankfurt am Main in nur fünf Folgen (2011–2013) so eigen, dass viele Zuschauer ihr noch nachtrauern.

Der dünne Eindruck Striesows als Kommissar liegt sicher auch an den seltenen Sendeterminen der kleinen ARD-Anstalt aus dem Südwesten, es waren bloß sechs Folgen in vier Jahren. Das wirkliche Problem besteht in seinem Profil als Ermittler. In der Rollenbeschreibung auf der Tatort-Internetseite der ARD wird Hauptkommissar Stellbrink als liebenswerter Polizist gelobt: „Er ist sanft, mag Yoga und seine alte rote Vespa.“ Seine Teamkollegin verkörpert das gegenteilige Modell: gut organisiert, mit klaren Erwartungen an andere. Stellbrink wirkt oft überfordert, Striesow scheint sich nicht sicher im Spiel, schwankt zwischen Charakterdarstellung und Parodie. Und Stellbrink trägt Striesows norddeutsche Prägung vor sich her.

Die Kritiker schimpften, aber das Publikum bescherte dem SR-„Tatort“ mit mehr als neun Millionen Zuschauern jeweils bessere Quoten als Striesows Vorgänger. Aber wer erinnert sich schon noch an Maximilian Brückner alias Kommissar Franz Kappl? Seit sich Max Palu 2005 verabschiedete, hatte der SR-„Tatort“-Profil-Probleme. Wie der Sender mitteilt, erfolgte die Trennung „auf Wunsch Devid Striesows, der sich künftig intensiver neuen Herausforderungen und anderen Projekten widmen will“. Hoffentlich findet er was Schönes im Norden.

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