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Römerberggespräche Von Träumen und Trümmern

What’s left: Die Römerberggespräche fragen nach dem Erbe von ’68 – und ob man es bergen sollte.

Demonstration in Berlin, 1968
Berlin 1968. Der Widerstand formiert sich. Foto: imago

Als Bezugspunkt über die Spektren hinweg dient ’68 zeitgenössischen Antikapitalisten bis heute, berichtet Protestforscherin Priska Daphi von Interviews mit „Blockupy“-Aktivisten. Die Chiffre stehe hier für die Geburtsstunde einer neuen linken Tradition, jenes neuen Politikverständnis jenseits der Institutionen. Der Allgemeinplatz, heute werde ja gar nicht mehr protestiert, stimme nicht. Seit 1968 sei vielmehr eine „Normalisierung“ von Protest in Deutschland zu beobachten – und der Anteil disruptiver, nicht gewaltförmiger Aktionsformen habe eher zugenommen. 

Für den Zeitzeugen und Politikwissenschaftler Wolfgang Kraushaar war schon ’68 die Rede von „der Linken“ eine „euphemistische Abstraktion“, die über Differenzen hinwegtäuschte. Die ’68er hätten zwar das Land umgekrempelt und gut daran getan, sagt er, aber ihr Vorbildcharakter für linke Politik in der Gegenwart sei begrenzt. Von der „Armee linker Geisterfahrer“, die sich nach ’68 mit den K-Gruppen in eine Sackgasse manövriert hätten, könnten Linke heute jedenfalls nichts lernen. Ein nicht geringer Teil der alten Neuen Linken sei „nah am Totalitarismus“ gebaut.

Und wer heute noch von der Arbeiterklasse oder gar der Revolution rede, übersehe, „dass dies alles kein Morgen hat“. Auf die Zunahme „neoliberaler Imperative“, auf die Globalisierung und die grenzenlose Digitalisierung, auf einen drohenden „technologischen Totalitarismus“ fehlten hingegen linke Antworten. Es mangele vor allem an politischen Akteuren, die mit den transnationalen Prozessen überhaupt mithalten könnten, so Kraushaar. Dabei sei die Linke nötiger als je, deren eigentliche Implikationen unabgegolten. „Nur wie kommt man dahin?“
Wenn etwas übrig ist von ’68, dann wohl dieser Traum, sagt Saar: Da fehlt etwas, das es jetzt nicht gibt. Aber wenn es sich (re-)konstruieren lasse, dann wohl „auf den Trümmern und auch mit den Elementen von ’68.“ Oder?

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