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Regisseur von Trier schockt Cannes Ab sofort unerwünscht

"Okay, ich bin ein Nazi" - Der dänische Filmemacher Lars von Trier sorgt beim Filmfest in Cannes mit Hitler-freundlichen Äußerungen für einen Eklat. Gleichzeitig kritisiert er Israel als „Plage“. Nun ist er von der Festivalleitung offiziell zur "Persona non grata" erklärt worden.

18.05.2011 16:20
Starke Geste? Regisseur Lars Von Trier ist wegen Äußerungen, in denen er mit Hitler sympathisierte, in Cannes unerwünscht. Foto: REUTERS

"Okay, ich bin ein Nazi" - Der dänische Filmemacher Lars von Trier sorgt beim Filmfest in Cannes mit Hitler-freundlichen Äußerungen für einen Eklat. Gleichzeitig kritisiert er Israel als „Plage“. Nun ist er von der Festivalleitung offiziell zur "Persona non grata" erklärt worden.

Der dänische Regisseur Lars von Trier ist vom Festival in Cannes nach seinen jüngsten Äußerungen über Adolf Hitler und die Nazis offiziell zur „unerwünschten Person“ erklärt worden. Ab sofort gelte von Trier als „Persona non grata“, teilte das Festival am Donnerstag mit.

Der Däne hatte sich für diese Äußerungen bereits am Mittwochabend über seine Agentur entschuldigt: „Wenn ich heute Morgen jemanden durch meine Worte verletzt habe, möchte ich mich aufrichtig entschuldigen. Ich bin weder antisemitisch, habe keine rassistischen Vorurteile, noch bin ich ein Nazi.“

Mit seinem extremen Horrordrama „Antichrist“ sorgte Lars von Trier vor zwei Jahren für den Skandal des Filmfestivals in Cannes - nun irritierte der dänische Regisseur erneut. Der 55-Jährige stellte am Mittwoch sein Werk „Melancholia“ vor. „Ein schöner Film über das Ende der Welt“, wie er verkündet hatte.

Tatsächlich packt er seine düstere Geschichte um Depressionen und die Apokalypse in poetische, sanfte Bilder. Der eigentliche Aufreger kam aber bei der Pressekonferenz, wo der Regisseur verkündete „Ich bin ein Nazi“. Das ließ nicht nur die Hauptdarstellerinnen Kirsten Dunst und Charlotte Gainsbourg sprachlos zurück.

Schon seit längerem gilt von Trier als ein Enfant terrible der Filmwelt. Unvergessen sind zum Beispiel Szenen wie aus „Antichrist“, wo sich Charlotte Gainsbourg selbst verstümmelt. Vor allem aber warf der Däne, der jahrelang wegen Depressionen behandelt wurde, in seinen Werken wie „Dogville“ oder „Breaking the Waves“ immer wieder einen äußerst pessimistischen Blick auf die menschliche Existenz. In „Melancholia“ thematisiert er jetzt das Elend vor dem Weltuntergang.

„Dies sollte eine Komödie werden“, scherzte von Trier vor der Premiere. Immerhin fühle er sich jetzt auch besser als noch vor einigen Jahren. „Ich habe aufgehört zu trinken, mir geht es gut.“ Eine gewisse Melancholie gehöre für ihn aber immer dazu. „Sie ist in jeder Kunst, die ich mag.“

Irgendwann allerdings vergaloppierte sich von Trier in der Pressekonferenz: Erst berichtete er, er arbeite derzeit an einem Hardcore-Porno mit Kirsten Dunst. „Ohne viel Dialoge, also so, wie es Frauen mögen.“ Und dann erzählte er, dass seine Familie deutsche Wurzeln habe. „Ich bin ein Nazi“, schlussfolgerte er und fügte hinzu: „Ich verstehe Hitler. Ich glaube, dass er ein paar schlechte Dinge gemacht hat, klar, aber ich kann ihn mir in seinem Bunker vorstellen, am Ende.“ Außerdem möge er die Architektur von Albert Speer. Gleichzeitig kritisierte von Trier Israel als „Plage“.

Ob das wieder einmal von Triers eigenwilliger Humor war? Das Rätsel löste der Regisseur zunächst nicht. Klar war nur: Er wollte abermals provozieren und das Festivalpublikum in Aufregung versetzen - wenn nicht mit seinem Film, dann durch seine Äußerungen. Und das ist ihm gelungen.

Die Schauspielerin Kirsten Dunst, die in „Melancholia“ die Hauptrolle spielt, reagierte sichtlich geschockt auf die Äußerungen. Das Film-Magazin „Hollywood Reporter“ bemerkte anschließend, von Trier habe sich ähnlich daneben benommen wie der Hollywood-Schauspieler Mel Gibson, der mit anti-semitischen Äußerungen für Empörung gesorgt hatte. „Wenn das in Amerika passiert wäre und nicht in Cannes, wäre das der Karriere-Selbstmord gewesen.“ (dpa/afp)

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