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Reformation Hier steht er nun - doch es war anders

Am 31. Oktober 1517 gab Martin Luther seine 95 Thesen bekannt. Über die Umstände gibt es sagenhafte Geschichten bis heute.

Martin Luther - Denkmal
Das Denkmal für den Kirchenreformator Martin Luther (1483-1546) in Eisenach, Foto: dpa

Ja, alle Wege führten nach Wittenberg, wenn auch nicht aller Anfang. Denn schon Vorläufer hatten gemurrt und waren als Kritiker an der gängigen Kirchenpraxis auf den Scheiterhaufen gezerrt und verbrannt worden. Die „Ablasskritik war ja keineswegs so originell, wie das Luthermemoria und protestantische Geschichtsschreibung bald verkündigten“, so Schilling.

Zur Luthererinnerung gehört seit der letzten Woche auch die Entdeckung, dass der Mönch 1508 einen Ablassbrief unterzeichnete. Wie soll man das beurteilen?

Ist ja schier unerhört!

Oder überhaupt nicht verwunderlich!

Wurde Schwäche ruchbar, womöglich Doppelmoral?

Der Casus zeigt, dass es für das Mönchlein noch ein weiter Weg zum festen religiösen Fundament war, so dass nicht der Aberglaube überwältigend war, sondern der Glaube allein an den Glauben.

Kompromisslos zeigte sich der stets angstbesessene Luther neun Jahre später, als er seinen Glauben an die Gnadentheologie angefochten sah. Überzeugt von der völligen Verderbtheit des menschlichen Willens war der Mensch angewiesen auf das gnädige Eingreifen Gottes. Dieser Gott war nicht zu beeinflussen, sein Handeln nicht zu stimulieren, und am wenigsten war diese Instanz, anders als die Kirche, korrupt.

Aus den Thesen sprach nicht nur der Prediger, der lange schon von der Kanzel herab gegen den Ablass donnerte, nicht nur der Universitätstheologe, der unbedingte Furor erklärte sich auch durch den besorgten Seelsorger. Im Beichtstuhl soll der Augustinermönch von Tetzel und seinen Leuten erfahren haben, Luther konnte mitanhören, wie der Ablass nicht nur die ihm anvertrauten Gläubigen in tiefe Verwirrung stürzte, sondern deren Seelenheil gefährdete.

Was da vor sich ging, war nicht nur ein Deal mit der Kirche, es war ein Betrug am Vertrag zwischen dem Gläubigen und Gott. Es war eine lächerliche Anmaßung der mit der Erbsünde schwer belasteten Kreatur gegenüber einem „unerbittlichen Richtergott“. Zur Gemengelage gehörte, dass Luther dem Ablass pädagogisch etwas abgewinnen konnte, auch wenn er unverschämt war. Die theologische Bilanz aber lautete, dass er heilsgeschichtlich abwegig war. Worauf sich die Sünder einließen, führte sie unweigerlich ins ewige Verderben. Das war das entscheidende Argument.

Ein sehr ernstes Anliegen also, eine komplexe Herausforderung, in der der Seelsorger an der Wittenberger Pfarrkirche mitnichten allein blieb, holte sich doch der Priester Luder Beistand bei dem Universitätsprofessor Luder. Bruder Martin und wissenschaftlicher Theologe, beides. Beide fühlten sich abgestoßen.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Martin Luther

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