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Rechtspopulismus Uwe Tellkamp entgleist nach rechts

In Dresden trägt der Schriftsteller Uwe Tellkamp seine rechtspopulistischen Thesen vor. Er will den Riss und die Ressentiments in der Gesellschaft vertiefen.

Tellkamp
Nach umstrittenen Äußerungen des Schriftstellers Uwe Tellkamp (l.) hat sich der Suhrkamp-Verlag von seinem Autor distanziert. Foto: dpa

Zu den gern wiederholten Behauptungen von Rechtspopulisten gehört die, man dürfe in diesem Land nicht seine Meinung sagen. Das hat auch der Schriftsteller Uwe Tellkamp am Donnerstag bei einer Diskussion in Dresden gesagt – und dabei sehr lang seine Meinung gesagt. Wesentlich mehr als der ebenfalls am Podium teilnehmende Dichter Durs Grünbein etwa. Es war Tellkamp offenbar wichtig, bei dieser Veranstaltung unter dem Titel „Streitbar! Wie frei sind wir mit unseren Meinungen?“ alles das laut zu benennen, was er in der Vergangenheit verschiedentlich bereits gesagt hat, aber noch nicht in dieser Ausführlichkeit und Deutlichkeit.

So hat der Dresdner Tellkamp, reich und berühmt geworden mit seinem Roman „Der Turm“, in Dresden also die rechtspopulistische Rede von den „Mainstream-Medien“ bedient, sich dabei auf eine Studie bezogen, die diese seine Rede gerade nicht bestätigt, hat sich beklagt, dass er seine Meinung zwar sagen dürfe, aber Ohrfeigen dafür bekomme und den Wunsch geäußert, seine Ansichten „ohne Furcht“ äußern zu dürfen.

Er musste auf dieser Veranstaltung zumindest keine Furcht haben, er wurde viel und laut beklatscht. Es ging dann auch der Verleger und Propagandist der Neuen Rechten, Götz Kubitschek, ans Saalmikrofon, um Tellkamp beizupflichten, indem er behauptete, Meinungsfreiheit werde immer an den Rändern verteidigt, nicht in der Mitte der Gesellschaft, und „den Staat“ dabei aufforderte, das Recht auf Äußerungsfreiheit gerade an den Rändern durchzusetzen. Auch das ist ein typisches Muster der Neuen Rechten: von einer Demokratie einzufordern, dass sie demokratiefeindliche Meinungen zu schützen habe.

Entsprechend hat Kubtischek Tellkamp gefragt, ob nicht der Riss, der durch die Gesellschaft gehe, „unbedingt“ sein müsse, weil „alles auf den Tisch“ gehöre: „Ich bin strikt dafür, dass der Riss noch tiefer wird, dass die Sprache noch deutlicher wird“. Offenbar ist es genau das, was Tellkamp will – und er will damit, was die neofaschistischen Kräfte im Land wollen, nämlich den Riss und die Ressentiments zu vertiefen, um genau diese politisch zu instrumentalisieren.

Der Besteckkasten der rechten Ideologie

Tellkamp hat also beinahe den gesamten Besteckkasten der neurechten Ideologie benutzt, hat Verschwörungstheorien zur staatlichen Unterstützung Linksextremer verbreitet, den rechten Opfermythos bedient und der AfD beigepflichtet, die mit Blick auf die Flüchtlinge von einem „Großexperiment im Land“ spricht. Er hat von „Gesinnungskorridor“ gesprochen und die Frage in den Raum gestellt, was man denn 2015 überhaupt hätte wählen können, wenn man regierungskritisch sei? „AfD oder Linke.“ Es scheint eindeutig, was er bevorzugt.

Durs Grünbein hat übrigens durchaus widersprochen, aber das verpuffte weitgehend. Und der Suhrkamp Verlag, wo sowohl die Bücher Grünbeins als auch Tellkamps erscheinen, hat per Twitter mitgeteilt: „Die Haltung, die in Äußerungen von Autoren des Hauses zum Ausdruck kommt, ist nicht mit der des Verlags zu verwechseln.“

Eine wichtige, klare Stellungnahme. Denn Uwe Tellkamps Äußerungen lassen an Eindeutigkeit nichts zu wünschen übrig. Er hat sich hier nicht nur als Verbitterter geoutet, der sich jeder kritischen Selbstreflexion verweigert, sondern als Wasserträger all jener, die politisch auf Risse, Hass und Ressentiment setzen.

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