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Rechtsextreme im Bundestag Es ist nicht das erste Mal

Mit der Deutschen Reichspartei saßen bereits in der Nachkriegszeit Faschisten im Bundestag. Einige ihrer Provokationen erinnern fatal an die der AfD - und einmal ließen die Sozialdemokraten ihrer Wut freien Lauf.

Bundestag
Mit der AfD sitzt wieder eine in Teilen rechtsradikale Partei im Parlament. Foto: rtr

Eigentlich soll es ein Festtag werden. Man schreibt den 7. September 1949. Zur konstituierenden Sitzung des Bundestages, dem ersten überhaupt, ist das Hohe Haus in Bonn festlich geschmückt. Die Westmächte haben den Deutschen, genauer denen der drei Westzonen, die Demokratie zurückgegeben. Nun müssen sie selbst zusehen, was sie, begleitet und kontrolliert zugleich von den drei Hochkommissaren, nur vier Jahre nach der Schreckensherrschaft der Nazis daraus machen.

Doch wie aus dem Nebel der dunkelsten Vorgeschichte taucht unter den Abgeordneten, die an diesem Morgen um Einlass begehren, eine abgründige Gestalt auf. Es ist ein elegant gekleideter Herr mit Menjoubärtchen, der rasch zum Schwarm vieler Frauen wird: der Parlamentarier „Dr. Franz Richter“.

Er vertritt die rechtsradikale DKP-DRP (ab 1950: Deutsche Reichspartei). Mit einem Köfferchen in der einen und einem Schäferhund an der anderen Hand will er in den Plenarsaal. Dem Platzmeister des Hohen Hauses, der – mit Frack, Fliege und weißen Handschuhen ausgestattet – darauf zu achten hat, dass in dem häufig als „Krone der Demokratie“ bezeichneten Parlament Ordnung, Stil und Respekt herrschen, ist das jedoch gar nicht recht. Er macht von seiner Autorität Gebrauch und schränkt dem Hundeführer den Zutritt mit den Worten ein, der „Köter“ müsse draußen bleiben. Der Gemaßregelte fügt sich kleinlaut, geht erst einmal wieder nach draußen und leint seinen vierbeinigen Begleiter kurzerhand am Fahnenmast an.

So vollziehen sich die Feierlichkeiten zur ersten Parlamentseröffnung der Nachkriegsrepublik, während draußen ein nicht unbedingt willkommenes, aber auch nicht ganz zufälliges Symbol gerade erst vergangener Zeiten – ein Schäferhund namens „Wolf“ – am Fahnenmast Platz genommen hat.

Das dürfte eine ganz beabsichtigte Bezugnahme gewesen sein. Denn Hitler besaß auf dem Berghof eine Schäferhündin namens „Blondi“, deren Nachwuchs er „Wolf“ genannt hatte. Als er sich dann am 30. April 1945 zusammen mit Eva Braun das Leben nahm, hatte der Hundenarr auch „Blondi“ und „Wolf“ mit in den Tod genommen. Offenbar hat sich der DRP-Abgeordnete in den Kopf gesetzt, zumindest symbolisch den Stab seines „Führers“ insgeheim weiterzugeben.

„Dr. Richter“ von der Fraktion der Nationalen Rechten (so etwas gab es damals durchaus!) fällt jedoch nicht nur durch seinen ständigen „Damenbesuch“ auf, sondern auch weil es der schnieke Rechtsradikale in einer Plenarsitzung als erster wagt, im Bundestag eine offen antisemitische Rede zu halten. Seine parlamentarische Rolle findet jedoch noch vor Ablauf der ersten Legislaturperiode ein überraschendes Ende. Denn im Februar 1952 wird er als Schwindler überführt. In Wirklichkeit heißt er Fritz Rößler und war Gauhauptstellenleiter der NSDAP in Sachsen. Als sein Pseudonym auffliegt, versucht er noch durch ein Fenster der Wandelhalle zu fliehen. Doch er wird sofort gefasst, in Untersuchungshaft gesteckt und vom Landgericht Bonn drei Monate später wegen Urkundenfälschung, unrechtmäßiger Titel- und Namensführung, fortgesetzten Betrugs usw. zu einer Gefängnisstrafe von anderthalb Jahren verurteilt.

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