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Punkrock Sie war das erste Riot Grrrl

Zum Tod der großen Punkrockerin Ari Up: Angefangen hat alles 1977, als eine schrille Mädchenband sich schlammbeschmiert und oben ohne für ein Albumcover ablichten ließ. Und von Malcolm McLaren als Manager hatten die Mädels die Nase schneller voll als die Sex Pistols.

Die Punkrockerin Ari Up aka Medusa, mit bürgerlichem Namen Ariane Foster, ist tot.

Ihr seid Mädchen und ihr macht Musik. Ich hasse Mädchen und ich hasse Musik. Lasst uns aus diesem Hass etwas machen.“ Mit diesen offenen, aber auch dialektischen Worten soll Malcolm McLaren sich den Slits einst als Manager angepriesen haben. Das war im Jahr 1977: Nach dem erstaunlichen Erfolg seiner Gruppe Sex Pistols und der von ihnen gezündeten Punk-Explosion suchte McLaren nach einer genauso schrillen Girl Group. Und stieß auf die Stieftochter des Sex-Pistols-Sängers John Lydon: Ariane Forster alias Ari Up, gerade 15 geworden, hatte mit drei Freundinnen die Band The Slits gegründet und spielte reihenweise Konzerte; im Frühjahr 1977 gingen sie als Vorgruppe von The Clash auf ihre erste Tournee. Von den Marketing-Ideen McLarens waren sie freilich eher befremdet: unter anderem wollte er sie mit einem Film groß herausbringen, in dem sie in Mexiko als Pornosklaven gehalten werden. So machten sie lieber ohne Manager weiter.

Sie waren selbstbestimmt. Und sie waren zornig. The Slits waren die ersten Riot Grrrls; jedenfalls die erste Band im Punkrock, die nur aus Mädchen bestand (später nahmen sie einen männlichen Schlagzeuger auf). 1979 brachten sie ihre erste LP heraus: „Cuts“ verband Punkrock und Reggae, ruppige Straßenlyrik und tribalistisch-avantgardistische Sounds in einer Weise, die für viele Bands stilprägend wurde; auf dem Cover der Platte zeigten die Slits sich fast nackt, nur mit Lendenschürzen bekleidet, nach einem erfrischenden Schlammbad. Gelegentlich von Indianergeheul akzentuiert, sang Ari Up gegen Machismo und für Ladendiebstähle – in einem wunderbaren, halb jamaikanisch, halb bayerisch akzentuierten Englisch.

Jugend in der Münchener Schlager-Szene

Denn bevor sie in die Londoner Punk-Welt eintauchte, hatte Ari-Up ihre Jugend in der Münchener Schlager-Szene verlebt. Ihr Vater war der Schlagersänger Frank Forster, ihr Patenonkel niemand anderes als Udo Jürgens. Als ihre Mutter Nora 1976 mit John Lydon zusammenkam, zog Ariane mit ihr nach London um. Noch ein anderes deutsches Mädchen spielte kurzzeitig in ihrer Band: Nina Hagen, damals gerade aus der DDR ausgereist und von Berlin nach London gekommen, wurde durch die Slits vom Schlager zum Punkrock gebracht. Das Lied „Pank“, von Ariane und Nina gemeinsam geschrieben, fand sich dann auf der ersten Platte der Hagen Band, 1979.

Nach nur zwei Alben, Anfang der Achtzigerjahre, lösten die Slits sich bereits wieder auf; Ari-Up musizierte eine Weile mit dem britischen Reggaeproduzenten Adrian Sherwood, danach übersiedelte sie nach Jamaika, zog drei Kinder groß und machte wurde unter dem Namen "Medusa" als weiße Dancehall Queen bekannt.Außerdem malte sie und arbeitete als Mode-Designerin. In New York stand sie 2002 – gemeinsam mit Nina Hagen– erstmals wieder auf einer großen Konzertbühne; später ging sie mit der Bassistin Tessa Pollitt unter den Namen The Slits wieder auf Tournee. In Berlin war sie 2006 noch einmal im Festsaal Kreuzberg zu sehen und im Mai diesen Jahres im White Trash Fast Food. Die Kraft und die Heiterkeit ihrer Musik sind bis zuletzt beglückend gewesen. Am Mittwoch ist Ari Up, die erste Punkrockerin, im Alter von 48 Jahren gestorben.

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