Lade Inhalte...

Preis Deutsches Architekturmuseum Die Richtigen getroffen

Ein Mammutprojekt von internationaler Bedeutung: Mit dem Wiederaufbau des Neuen Museums auf der Berliner Museumsinsel, ausgeführt durch das Büro David Chipperfield, hat das Deutsche Architekturmuseum im Jahr 2010 zweifelsohne ein Meisterwerk ausgezeichnet.

01.02.2011 15:31
Daniel Bartetzko
Stararchitekt David Chipperfield. Foto: REUTERS

Wurde dieser Preis je folgerichtiger vergeben? Das Deutsche Architektur Jahrbuch erscheint seit 1980, und zum vierten Mal lobt das Deutsche Architekturmuseum Frankfurt (DAM) als Herausgeber einen Preis für das beste vorgestellte Projekt aus. Auf den Wiederaufbau des Neuen Museums auf der Berliner Museumsinsel, ausgeführt durch das Büro David Chipperfield, fiel die Wahl der Jury. Die damit zweifelsohne ein Meisterwerk auszeichnet: Ein Mammutprojekt von internationaler Bedeutung, eines, über das Politik, Bürger, Denkmalpflege, Museumsdirektion und die Architekturszene jahrelang, auch noch während der Bauarbeiten, debattierten. Es musste sich wohl alleine dadurch gegen die 22 übrigen fürs Jahrbuch ausgewählten Gebäude durchsetzen – alles andere hätte man als Scheitern interpretieren können.


Die tiefenentspannte Überzeugung und Freundlichkeit, die David Chipperfield jetzt bei der Preisverleihung im DAM noch immer ausstrahlt, als er noch einmal – zum wievielten Male? – etliche Details des Bauwerks erläutert, ist alleine schon preiswürdig. Die Krone 2009/2010 erhält ein Museumsbau, der seine Kriegsschäden wie auch die Wunden durch jahrzehntelange Vernachlässigung seiner Ruine zu wesentlichen Teilen behalten durfte. Durch die Planung Chipperfields und des für konservatorische Maßnahmen zuständigen Julian Harrap entstand mehr als eine (rekonstruierte) Herberge antiker Kunst: Die Architekten brachten den klassizistischen Stüler-Bau zum Sprechen – er präsentiert die Ausstellungsstücke und erzählt zudem seine eigene Geschichte.


Doch neben dem Preisträger bleibt im Jahrbuch genug zu sehen: Vom Hochhaus zum Pumpwerk, von der Konzernzentrale bis zum Wohnblock wird eine bislang selten ausgewählte Vielfalt präsentiert. Das Bauen mit (bisweilen vermeintlicher) Rücksicht auf den Bestand, die Rekonstruktion und Umnutzung bestehender Bauten war kaum jemals so angesagt wie derzeit. Christoph Mäcklers Opernturm in Frankfurt steht als Beispiel für Neubauten in historischer Umgebung. Wer auszublenden vermag, dass für seine Errichtung mit dem Zürich-Hochhaus samt Nebengebäuden ein herausragendes Ensemble der Nachkriegsmoderne abgerissen wurde, mag denn auch konstatieren, dass der Spagat gelungen ist: Der natursteinverkleidete Turm fügt sich insbesondere durch seine Sockelbebauung taktvoll ins städtebauliche Arrangement rund um den Frankfurter Opernplatz, anstatt ihn als einziges Hochhaus plump zu dominieren.


Auch bei spektakulären Projektern wie dem VitraHaus von Herzog & de Meuron wird die konventionelle Architektur zumindest zitiert: Die Schweizer schufen einen virtuos arrangierten Stapel aus zwölf kreuz und quer übereinandergelagerten, langgezogenen Giebelhäusern – ein ästhetisches wie bauphysikalisches Schmankerl, das als Präsentationsraum des Vitra-Möbelprogramms dient.


Ein vorherrschender Stiltrend ist in der Architektur 2009/2010 nicht erkennbar, und das ist gut so. In Frankfurts City dominiert bei Neubauten im Moment eine natursteinverblendete Massivmoderne, deren Vorbilder irgendwo zwischen Paul Bonatz und Hans Kollhoff liegen – derart flächendeckend umgesetzt, dass sich schon fast die Langeweile abzeichnet.
Nur wenige Kilometer entfernt darf die Baukunst mit dem dunkelgrauen, monolithischen Betonblock des Mainzer Hochwasserpumpwerks (Syra-Schoyerer Architekten) ein geheimnisvolles und schroffes Gesicht zeigen.

Im weit entfernten Hamburg lässt sich ein Verbrauchsgüter-Konzern (einer jener, die insgeheim die Welt beherrschen) ein technokratisches Wunderwerk aus Stahl und Glas als Firmenzentrale errichten (Behnisch Architekten). Und die Zentralbibliothek der Berliner Humboldt-Universität (Max Dudler) könnte gar zur Architektur-Ikone des Post-Millenniums-Jahrzehnts werden: Mag die an ein sehr ordentliches Bücherregal erinnernde, glattflächige und kastenförmige Natursteinfassade für Diskussionen sorgen, so bietet der große, von dunklem Holz dominierte Lesesaal in Inneren einen atemberaubenden Anblick. Das Panoramafoto, mit Bedacht auf der Doppelseite in der Mitte des DAM-Jahrbuchs platziert, entfacht eine Sogwirkung, die ihresgleichen sucht.

Die Ausstellung zum DAM Preis für Architektur 2010 läuft bis zum 29. Mai im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt. Das Deutsche Architektur Jahrbuch ist im Museumsshop und im Buchhandel erhältlich.
www.dam-online.de

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Architektur

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen